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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Diverse

Royal

Kate Royal, Academy of St Martin in the Fields, Edward Gardner

EMI 394 419-2
(65 Min., 2/2207, 5/2007) 1 CD

Der Vordersitz einer Stimme zählt zu den zentralen Arbeitsgebieten in der Gesangspädagogik: Je mehr der klangliche Output über die vorderen Gesichtsresonanzen kanalisiert wird, je besser eine Gesangsstimme von jenen Punkten her geführt und gesteuert wird, die auch beim Sprechen für die prägnante Deklamation der verschiedenen Laute von Bedeutung sind (Zunge, Zähne, Lippen etc.), desto mehr wird die Stimme ihre individuellen Zügen offenbaren, desto flexibler und wandlungsfähiger wird sie sich außerdem auch in die dargebotenen vokalen Linien schmiegen.
Die englische Sopranistin Kate Royal, die sich auf der vorliegenden CD mit einem breiten, um nicht zu sagen kunterbunten Repertoire verschiedenster Orchesterlieder und Arien vorstellt, hat, so meint der Rezensent, exakt in Sachen Vordersitz ihre deutlichen Defizite: Ihr Gesang tönt über weite Strecken wie von einem Vorhang verhüllt, viele Vokale erklingen nicht als das, was sie sein sollen (welches "I" ist hier wirklich ein "I", wie viele "A"-Laute kommen ganz frei und ohne starke Beimischung von Gaumenklang zur Geltung?), ein allzu sattes, oft flatterndes Vibrato erklärt sich gleichfalls aus der mangelnden Zentriertheit des Gesangs. Allenfalls als Farbe im Gesamtklang des Orchestersatzes nimmt man Royals Stimme oft wahr (aber wie viel prägnanter ist etwa in Canteloubes "Bailèro" doch die Farbe der Solooboe!). Die Sängerin bevorzugt für ihr Wunschprogramm ruhige Kantilenen vor romantisch-stimmungsvollem Orchesterhintergrund, wie sie beispielsweise Strauss’ "Wiegenlied" oder "Morgen", Orffs "In trutina", Ravels "Vocalise" oder eben Canteloubes "Chants d’Auvergne" bieten; hier meint sie sich weich und gefühlvoll ausleben zu können. Was sie aber tatsächlich präsentiert, ist über weite Strecken matte, unspezifische und wenig charakteristische Blässe. Die wenigen Stücke des Programms, in denen sie Farbe bekennen müsste (z. B. der Schlussteil von Anne Truloves Arie aus Strawinskys "The Rake`s Progress" oder Rodrigos "De los álamos vengo, madre"), geraten entsprechend unspektakulär. Das begleitende Orchester, immerhin die Academy of St. Martin in the Fields unter Edward Gardner, passt sich mit süffigem Einheitsklang ohne spezifisches Profil an die Gegebenheiten an: ein Gelegenheitsjob wird absolviert. Warum Kate Royal, die sicher begabt ist, aber in gar keiner Weise über irgendwelche außergewöhnlichen, unverwechselbaren Fertigkeiten verfügt, von einem führenden Label in dieser hervorgehobenen und aufwändigen Weise vorgestellt wird, bleibt dem Rezensenten ein Rätsel.

Michael Wersin, 07.12.2007



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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