Responsive image
Friedrich Cerha, Franz Schreker

Cellokonzert, Kammersinfonie

Heinrich Schiff, Niederländisches Rundfunk-Kammerorchester, Peter Eötvös

ECM/Universal 476 3098
(61 Min., 9/2003) 1 CD

Obwohl Franz Schreker auf Tuchfühlung mit den Protagonisten der so genannten Zweiten Wiener Schule, zu Schönberg & Co. stand, stellte er die Tonalität doch nie grundlegend infrage. Nicht nur das verbindet ihn mit dem 1926 in Wien geborenen Friedrich Cerha. Beide verhielten sich bis hin zum schlanken Neoklassizismus durchaus stilpluralistisch. Weshalb man – vorsichtig formuliert – Schreker vielleicht als Urvater einer Art "Dritte Wiener Schule" bezeichnet kann, die ihre populärsten Vertreter in Cerha wie auch in HK Gruber finden sollte. Und wie eben Schönbergs erste Kammersinfonie initialzündende Wirkung auf die Zwölftönigkeit ausgeübt hat, so ist Schrekers Kammersinfonie in einem Satz (1916) ein Bekenntnis zu den noch lange nicht ausgeschöpften Reserven des Klanges.
Wie großzügig Schreker herrlichstes Klangfarbenpathos mit reichen Melodiegirlanden und nuancenreichen Eintönungen durchsetzte, ohne Emotionalität mit requisitenhafter Schwelgerei zu verwechseln, ist in der Neueinspielung durch Dirigent Peter Eötvös zu erleben. Mit einer fast an die französische Clarté grenzenden Ausdrucksentwicklung animiert Eötvös das Netherlands Radio Chamber Orchestra zu einer musikalisierten Sprache, die kontrolliert und intensiv zugleich ist. Auf vergleichbare Interpretationstugenden trifft man auch in dem 1996 komponierten Cellokonzert von Friedrich Cerha. Eingespielt vom Mitauftraggeber Heinrich Schiff, wechseln sich in den drei Sätzen enorm hocherhitzte Kantilenen mit heftigen Tuttischneisen und rhythmisch unberechenbaren, bisweil exotisch wirkenden Kommentaren ab. Und trotz des durchaus neusachlichen Grundtons steckt immer noch so viel virtuose Zugkraft in diesem Konzert, dass es seine Wirkung selbst an der Oberfläche nicht verfehlt.

Guido Fischer, 07.12.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zwei geniale Geiger auf einer CD vereint, die die Welt der Klassik und die des Jazz miteinander verbinden, als wäre es das natürlichste der Welt. Einfach toll! Stéphane Grappelli, der französische Geigenvirtuose, weitgehend Autodidakt, aber übersprudelnd vor musikalischen Ideen traf 1973 erstmals auf den acht Jahre jüngeren Yehudi Menuhin, ehemals Wunderkind und damals längst Geigen-Legende. Grappelli hatte mit dem Quintette du Hot Club de France die Clubs aufgemischt, Menuhin die […] mehr »


Top