Als virtuoses Soloinstrument ist das Cello ein Spätzünder. Nur zögerlich wagte es im Laufe des 18. Jahrhunderts den Sprung vom ersten Orchesterpult zum Soloinstrument, so dass die Konzertliteratur bis 1800 recht überschaubar ist. Erstaunlich daher, dass es Jan Vogler gelungen ist, neben einer neuen Einspielung von Carl Philipp Emanuel Bachs A-Dur-Konzert noch drei wertvolle Ersteinspielungen unbekannter Konzerte aus diesem schmalen Fundus vorzulegen. Warum die Cellisten der Alte-Musik-Szene es dem Universalisten Jan Vogler überlassen haben, diese Schätze zu heben, bleibt ihr Geheimnis. Immerhin beweist die CD, dass diese Werke auch außerhalb der Nische Chancen im Konzertalltag haben. Sehr überzeugend wirkt Vogler in den differenziert ausgesungenen langsamen Mittelsätzen, in denen er seine romantischen Wurzeln nicht verleugnen muss, aber er punktet auch dort, wo die Werke das halten, was der CD-Titel "Concerti brillanti" verspricht. Eine echte Überraschung ist das Finale des D-Dur-Konzerts, in denen der Komponist Friedrich Hartmann Graf dem Cello mit einem Thema im Flageolett erstmals die Flötentöne beibringt. Auch das Michael Haydn zugeschriebene B-Dur-Konzert kann sich in Voglers und Goebels Interpretation mit Joseph Haydns bekannterem C-Dur-Konzert messen. Nur in den Ecksätzen von C. P. E. Bachs Konzert sowie im Hassekonzert, die den Hörer in das spannende Reich zwischen Barock und Klassik führen, hätte Vogler noch mehr den Rhetoriker als den Sänger herauskehren können. Das Münchener Kammerorchester mit seinen modernen Instrumenten ist von Reinhard Goebel gut beraten: Er sorgt einmal mehr als McKinsey der historischen Aufführungspraxis für schlanke, sprechende und motiviert wirkende Klänge.

Carsten Niemann, 07.12.2007



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