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Jean-Philippe Rameau

In Convertendo, 3 Piéces de clavecin en concert, Dokumentation

Sophie Daneman, Olga Pitarch, Jeffrey Thompson, Nicolas Rivenq, Les Arts Florissants, William Christie, Béatrice Martin, Patrick Cohën-Akenine, Nima Ben David, Serge Saitta

Opus Arte/Naxos OA0956D
(97 Min., 2004) 1 DVD, inkl. Dokumentation

Nach dem Erscheinen von mittlerweile vier Opern auf DVD werden nun nichtszenische Werke von Rameau in Ton und Bild präsentiert. Ausgewählt wurden eine lateinischsprachige Motette, aufgenommen im Pariser Invalidendom, sowie drei Sätze aus den kammermusikalischen "Piéces de Clavecin en concert". Zentral ist jedoch ein knapp einstündiges Komponistenportrait mit dem Titel "The Real Rameau".
Die Motette "In Convertendo", entstanden vor 1715 in Lyon, ein Werk des gut 30-jährigen Organisten, ist das Highlight in dessen Kirchenmusik, insbesondere die grandiose fünfstimmige Schlussfuge "Euntes ibant et flebant". Die farbige Musiksprache mit solistischen Instrumenten, die sich mit den Singstimmen verweben, wie beispielsweise in der vorletzten Nummer – einem Terzett für Sopran, Tenor und Bariton –, lässt bereits die Kunst der Orchestration in den späteren Opern erahnen.
Die Rameau-erfahrenen Solisten sowie Chor und Orchester der Arts Florissants, bewegen sich spürbar auf musikalisch vertrautem Terrain und setzen die vielfarbige, emotionale Musik sehr angemessen, optisch vielleicht bisweilen etwas überexpressiv, um. Die Architektur des Invalidendoms wurde von der Bildregie gut eingefangen.
Beinahe drei Jahrzehnte später entstanden die drei Charakterstücke, die Rameaus Gönner, Rameau selbst und eine "Schüchterne" im Titel tragen. Den drei bzw. vier Musikern (bei "La Timide" zusätzlich mit Flöte) gelingt eine klanglich abwechslungsreiche Wiedergabe.
In der Dokumentation führt Reiner E. Moritz in Leben und Werk ein, dramaturgisch montiert aus Äußerungen von Rameau-Spezialisten (v. a. von William Christie und Sylvie Bouissou, der Chefredakteurin der Rameau-Gesamtausgabe) sowie Ausschnitten aus Opern, Instrumentalmusik und Diderots Satire "Rameaus Neffe". Gedreht wurde zum Teil an Originalorten. Es gelingt, den Komponisten und den Theoretiker in seiner Zeit zu verorten, und es entsteht ein lebendiges Bild eines bewegten Lebens mit großen Erfolgen aber auch vielen Konflikten.
Nicht nur Rameau-Fans bietet diese DVD einen Einblick in eine faszinierende Biografie, die musikalisch neue Facetten des Opernkomponisten eröffnet.

Peter Overbeck, 12.01.2007



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