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Maurice Ravel

Sämtliche Klavier-Werke

Alexandre Tharaud

harmonia mundi/helikon HMC 901811/12
(68 Min.) 2 CDs

Wenn sich jemand als eine seiner ersten Einspielungen Ravels Klavierwerke vornimmt, verspricht er sich und dem Hörer mehr als gerade "noch eine weitere" Aufnahme. Nun ist Tharaud offenbar nicht nur ein Virtuose besonderen Grades - schnelle Finger haben sie alle -, sondern auch ein Hinterfragender. Neben einer weitgehend exzellenten Darstellung der bekannten Werke spielt er auch zwei "ausgegrabene" frühe Stücke.
Tharauds hervorstechende Fähigkeiten sind sein weiträumiges Dispositionsvermögen und feinstgesplittetes Farb- sprich Anschlagsspektrum. Stellvertretend sei hier die enorm lange Steigerungsphase zu Beginn in "Ondine" aus "Gaspard de la nuit". Gleichzeitig mag man fragen, ob Tharaud bei den tonmalerischen Wellenbewegungen der rechten Hand die erforderliche Tremolo-Egalität nicht erreicht oder die offenbare Inegalität als irisierende Gebrochenheit der Wasseroberfläche (aus der die Rufe der Nixe Ondine allmählich aufsteigen) gehört haben will.
Sehr überzeugend sind all jene Stücke, die von rhythmisch und/oder spieltechnisch stark ausgeprägten Elementen leben. Bei einigen der "nur von Poesie" geprägten Werke kommt Tharaud nicht oder nur wenig über minutiöses Auszirkeln hinaus.
Stellt man Tharaud einen Robert Casadesus zur Seite, wird man auch der - bei aller Varianz - nicht ausgeloteten pianistischen und musikalischen Ausrucksbereiche gewahr. Allerdings liegt bei der rein klanglichen Seite der Verdacht einer sehr/zu nahen Positionierung der Mikrofone nahe. Ein voller Flügel-Klang, der auch “Holz” verrät, entwickelt sich erst im Raum, nicht knapp über den Saiten.
Insgesamt sollte man Tharaud als interessante Hochbegabung im Auge behalten.

Wolfgang Wendel, 08.11.2003



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