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Systems Blue

Steve Davis

Criss Cross/Helikon 1218
(69 Min., 5/2001) 1 CD

Standards-Alben gibt es sonder Zahl. Im Jazz dagegen unüblich ist die Quartett-Besetzung Posaune plus Rhythmusgruppe (nur auf den zwei Eigenkompositionen ergänzt ein Altsaxofonist die Gruppe zum Quintett). So liegt die ganze Last der Bläsersoli beim Leader Davis, der nach seiner Feuertaufe bei den Jazz Messengers und einem ausgedehnten Aufenthalt bei Jackie McLean spätestens in Chick Coreas Gruppe Origin angenehm auffiel.
Nun wird er mit Bravour den große Ansprüchen gerecht, welche die schon vielfach von Sängern aller Art intonierten Melodien ihm stellen. Erst dadurch wird vollends klar, wie wenige Musiker in den letzten Jahrzehnten J.J. Johnsons Beispiel folgten. Es mag auf der Posaune - ähnlich wie auf dem Baritonsaxofon - schwer sein, flüssige, harmonisch wie klanglich ansprechende Soli zu blasen; unmöglich ist es nicht. Das bewies erst jüngst Wycliffe Gordon. Obgleich Steve Davis (zumindest für dieses Mainstream-Album) auf avantgardistische Spielweisen verzichtet, ist er Gordon als Musiker ebenbürtig.
Dass "Systems Blue" einen derart vorzüglichen Eindruck hinterlässt, ist auch das Verdienst der drei Begleiter: Während ich Peter Washington vor wenigen Wochen als Bassisten auf Bill Charlaps "Stardust" hervorhob, waren mir der rundum erfreuliche Pianist David Hazeltine und vor allem der herrlich swingende, ebenso melodiös wie präzis trommelnde Joe Farnsworth bis jetzt kein Begriff. Mit dieser Aufnahme, die Davis nach dem vorzüglichen, in Brooklyn angesiedelten Studio "Systems Two" benannte, hat sich das geändert.

Mátyás Kiss, 27.06.2002



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