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Flesh On Flesh

Al Di Meola

Telarc/In-Akustik CD 83 543
(50 Min.) 1 CD

Flesh On Flesh, das ist nackte Haut auf nackter Haut. Al Di Meola, auf seinen letzten Platten schon knapp vor der Altersweisheit, erlebt einen zweiten Frühling. Kraftvoll wie einst auf dem 1976/77 eingespielten Album "Elegant Gypsy" klingen seine Gitarrenläufe, und unterstützt wird er ebenfalls von einem Kollegen aus jener Zeit: dem Bassisten Anthony Jackson, mit dem er erstmals seit jenen glorreichen Tagen wieder zusammenarbeitete. Wie Jackson - oft mit fettem Sound - in den tiefen Lagen Druck macht, bekommt der mit kleiner, gelegentlich wechselnder Besetzung eingespielten Platte bestens.
Roger Nichols zeichnete die Basic-Tracks herrlich transparent auf, und Al Di Meolas verschiedene Gitarren fügen sich perfekt ein. Sensibler als in den alten Zeiten wählt er die Sounds, mengt dunkel und hell, attackiert scharf und gibt sich sanft: Ein bestens kalkuliertes Wechselbad der Gefühle. Vom selbst komponierten Eröffnungsstück "Zona Desperata" bis zum Finale mit einer eigenständigen Version von Chick Coreas "Señor Mouse" hält diese Spannung, wobei zwischendurch das melodienreiche "Meninas", das Egberto Gismonti seinen Töchtern widmete, besonders fasziniert.
Dass Al Di Meola Astor Piazzolla bewundert, ist schon seit der Platte "Di Meola Plays Piazzolla" von 1996 bekannt. Diesmal ging er mit der Vorlage "Fugata" souveräner als je zuvor um, indem er die Tango-Atmosphäre um kubanische Elemente bereicherte. Gonzalo Rubalcaba, der am Fender-E-Piano mitmischt, unterstützt diese rhythmischen Veränderungen. Die übrigen fünf Titel hat Al Di Meola neu komponiert. So süffig und elegant wie auf dieser Platte hat er schon lange nicht mehr musiziert.

Werner Stiefele, 19.09.2002



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