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Naked Eye

Geoff Goodman

Tutu/Fenn 888214
(61 Min., 11/2002) 1 CD

München steht im Jazz vor allem für Traditionspflege - die Avantgarde sucht man eher in Berlin -, und bei den ortsansässigen Jazzlabels befolgt man meist die Regel vom Propheten im eigenen Land. Von dieser Regel sind auch die einst als Legenden verehrten "Americans in Europe" nicht ausgenommen, sind sie doch längst zu integrierten kollegialen Partnern des heimischen Umfelds geworden.
Aber auch in München gibt es Musiker, die neue Wege gehen, und dass die ihren Ausgangspunkt in der Tradition nicht verleugnen, muss ja kein Schaden sein. Das Quintett des amerikanischen Gitarristen Geoff Goodman verkörpert nahezu idealtypisch diese Richtung. Selber ist er seit über zwanzig Jahren mit München verbunden, in seinem Landsmann Peter Perfido hat er einen kongenialen Partner am Schlagzeug, der machtvoll zu swingen weiß und ebenso über die subtilen Finessen des Avantgardespiels verfügt. Der Berliner Wahlmünchner Henning Sievers verkörpert ähnliche Qualitäten am Bass. In den Personen der beiden Bläser aus Berlin Felix Wahnschaffe am Altsaxofon und Rudi Mahall an der Bassklarinette vereinigt die Band die Facetten ihres wichtigen Bezugspunktes Eric Dolphy. Doch der Freebop ist bei Goodman nicht die Musik des Aufschreis, selbst die intensivsten Momente verweisen immer auf kompositorische Reflexion. Klare Linienführung, wie beim frühen Ornette Coleman, ist dabei bestimmend. Entsprechend ist Goodmans Gitarrenspiel herrlich klar melodisch und von unaufdringlicher harmonischer Sophistication.
Das Tutulabel hat den Propheten erkannt, und so ist das Geoff-Goodman-Quintett vom breiten Publikum als aufregende Entdeckung auszumachen.

Thomas Fitterling, 10.01.2004



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