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Stormy Weather

Lena Horne

Bluebird/Sony BMG 09026 63911 2
(61 Min., 1/1956 - 7/1957) 1 CD

Jede Gelegenheit, der Vortragskunst von Lena Horne wiederzubegegnen, ist stürmisch zu begrüßen, denn nur alle Jubeljahre erscheint eine CD mit einer Auswahl ihrer zahlreichen RCA-Victor-Aufnahmen. Nach "Love Songs" wird - ohne Überschneidungen - endlich einmal wieder eine Original-LP aufgelegt.
Teils für die titelgebende Sammlung "Stormy Weather" - der gleichnamige Film brachte ihr als junges Mädchen den Durchbruch -, teils für Single-Veröffentlichungen entstanden diese Monoaufnahmen; die von der Westküste in kleiner, aber feiner Besetzung, die von der Ostküste mit dem gelegentlich von Streichern verstärkten Orchester von Lennie Hayton, im Privatleben Lena Hornes Mann und davor lange Zeit für Bing Crosby tätig.
Nicht zu oft gehörte Standards standen in beiden Fällen auf dem Programm, und der Jazzanteil beschränkt sich meist auf die swingenden Arrangements sowie kurze Obligati hinter der Sängerin, die eindeutig im Mittelpunkt steht - und doch sollte eine breite Öffentlichkeit nie mehr soviel Jazz zu hören bekommen: Denn für den anspruchsvolleren Popmarkt (der aufkommende Rock 'n' Roll wurde damals in den Rhythm-'n'-Blues-Charts notiert), sind diese Aufnahmen der hellhäutigen, mondän wirkenden Schwarzen gedacht, und dort hatten sie - zu Sinatras bester Zeit - auch ansehnlichen Erfolg: Hornes langjährige Erfahrung mit sogenannten "show tunes" begann sich allmählich auszuzahlen.
Die damals aufwachsenden Jugendlichen waren die letzte Generation, die mit Broadway-Melodien aus Radio und Jukeboxen aufwuchs - gesungen von ebenso leidenschaftlichen wie kompetenten, doch nicht zu schwarz klingenden Interpreten und Interpretinnen wie Lena Horne. Diese Tradition brach spätestens zu dem Zeitpunkt ab, als die Beatgruppen direkter auf die Körpermitte zielten. Beinahe ein halbes Jahrhundert später wirkt Lena Horne wie die Botschafterin einer untergegangenen Ära.
Dass der Herausgeber der zweiten Auflage des "Jazz Grove" diese vorbildliche Anwältin eines bis heute für jeden Vokalisten gültigen Repertoires nur beiläufig als Ehefrau Lennie Haytons erwähnt, lässt mich an seinem Gehör zweifeln.

Mátyás Kiss, 25.07.2002



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