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Music From Two Basses

Barre Phillips, Dave Holland

ECM/Universal ECM 1011 bzw. 987 1766
(37 Min., 2/1971) 1 CD

Endlich hatten Ende der 60er Jahre adäquate Tonabnehmer und Verstärker dem Kontrabass auf der Bühne klar konturierte Hörbarkeit verschafft. Dynamik, Tongebung und Intonation wurden neu erfahren, ein neues Selbstbewusstsein der Bassisten war die Folge. Dieses neue Selbstbewusstsein führte zu bisher undenkbaren Kontrabass-Projekten. Der ehemalige Kontrabassist Manfred Eicher initiierte 1971 für sein junges ECM-Label eine Begegnung des American in Europe, Barre Pillips, und des European in America, Dave Holland. Wer die "Music From Two Basses" erwarb, dem wuchs sie alsbald ans Herz. Wieder und wieder drehte sich die LP auf dem Plattenteller; geduldig wurde auf die Passagen gewartet, wo nach bohrend friggeligen Free-Jazz-Dialogen betörende Motive aufstiegen, die von Liebe und Frieden sangen - und das alles weit entfernt von jeglichem Kitschverdacht. Dann, verdrängt von der einsetzenden Flut an CDs, verschwand der knisternde und knacksende Tonträger im Plattenschrank. Es blieb die Erinnerung, und mit der Zeit setzte der wehmütige Zweifel ein, ob denn die "Music From Two Basses" auch heute noch die Magie von einst neu entfalten könnte. Die geschundene LP taugte zur Überprüfung nicht, und ein digitales Reissue war nicht in Sicht. Das hat sich nun geändert: Die Sternstunde von einst ist jetzt als CD zu haben. Ernüchternd wirkt der Blick auf die Laufzeit; das waren damals tatsächlich nur 37 Minuten. Doch beckmessernd ist diese Minutenzählerei, denn die Magie, sie wirkt. Sie wirkt wie einst: ein Schelm fürwahr, der im "Improvised Piece I" den Engel nicht spürt, der durch den Raum gegangen sein muss, und mit einem herrlich aufsteigenden hymnischen Motiv dem mitunter verstörenden, gegenseitig tastenden Suchen den Weg wies. Die Miniaturen, die pointillistisch in der Schwebe bleiben, offenbaren jetzt mehr als einst ihre innere Logik, und der abschließende "Song For Clare" ist schlicht ein großartiger und auf großartige Weise schlicht inszenierter Love Song.

Thomas Fitterling, 05.11.2005



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