Responsive image

Extended Play - Live At Birdland

Dave Holland-Quintet

ECM/Universal 038 505-2
(135 Min., 11/2001) 2 CDs

Tonträger sind schön und gut. Aber erst im Konzert lebt die Musik. In ganz besonderen Glücksfällen lässt sich diese Live-Atmosphäre so auf einen Tonträger bannen, dass trotz der Konservierung viel von der ursprünglichen Energie und Direktheit übrig bleibt. Der Mitschnitt des Dave Holland Quintet aus dem New Yorker Jazzclub Birdland ist eine dieser raren Scheiben. Die Doppeldisc ist frei von Längen, die live oft angenehm wirken, auf CD aber langweilen. Mehr noch: Auf ihr ist viel von der intensiven Kommunikation spürbar, die es diesem Quintett ermöglicht, einerseits sehr frei zu improvisieren, andererseits aber stets das Gerüst wohlüberlegter Formen beizubehalten. Hier ist nichts beliebig - auch wenn die Akteure das Gespielte niemals Ton für Ton wiederholen könnten. Dabei verfügen alle fünf über ein derart großes Vokabular, dass jeder Chorus auf eine andere Art frisch und prickelnd ausfällt. Wie der Posaunist Robin Eubanks und der Saxofonist Chris Potter ihre farbenprächtigen Soli ins Geflecht von Dave Hollands Bass, dem nervösen Puls des Schlagzeugers Billy Kilson und Rhythmen und Harmonien des Vibrafonisten Steve Nelson flechten, ist außergewöhnlich und brillant. Dieser Live-Mitschnitt dokumentiert eindringlich, dass der akustische Jazz auch dann enorm packend wirken und viele Überraschungen in sich bergen kann, wenn er sich auf die Post-Free-Ära bezieht. Bei der Themenauswahl beschränkten sie sich - abgesehen vom Titel "Free For All" - auf alte Bekannte, die bereits in Studioversionen auf den Alben "Points Of View" und "Prime Directive" enthalten waren. Die Konzertversionen sind jedoch so eigenständig, dass es sich in jedem Fall lohnt, sie anzuhören und sich in die Atmosphäre des Birdland versetzen zu lassen.

Werner Stiefele, 25.10.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top