Schwierig, über diese CD zu schreiben. Schließlich fußen Einspielungen von Bachs Kantaten heute durchwegs sowohl auf theologischem als auch auf historisch-stilistischem Wissen; das Niveau ist allgemein hoch, und gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Aufnahmen sind nicht auszumachen. Über die Durchsichtigkeit des Klangbildes, die artikulatorische Genauigkeit und rhetorische Struktur, über die spezifischen Klangfarben vor allem der historischen Blasinstrumente zu schreiben, bedeutete auch bei Ton Koopmans Kantaten-Edition ein Verweilen in Allgemeinplätzen. Vielleicht wird man seiner Einspielung noch am ehesten gerecht, wenn man ihre Beurteilung an den Solisten fest macht.
Das Amsterdamer Barockorchester und auch sein homogener, selbst in hohen Lagen wundervoll intonationsrein singender Chor sind exzellent - doch das darf man beispielsweise von Suzukis japanischen Musikern auch behaupten. An die Intensität, mit der Christoph Prégardien bei Koopman die Tenor-Arien und auch die Rezitative durchdringt, kommt aber so leicht kein anderer Sänger heran; sie macht sogar einiges übermäßige Tremolieren vergessen, das Prégardien zumal der Kantate BWV 135 angedeihen lässt.
Klaus Mertens ist einer der wenigen Sänger, die bei Bachs undankbaren Bass-Arien nicht gravierend verunfallen; große Ausdrucksfülle kann er vor allem im "Jesu, der du meine Seele" (BWV 78) sowie bei "Liebster Gott, wann wird ich sterben?" (BWV 8) einbringen, dessen Bass-Arie hier gleich in zwei alternativen Fassungen erklingt.
Gut, allerdings nicht überragend, sind die Sopran- und die Altpartie besetzt: Während es Lisa Larsson in der Höhe gelegentlich an Fülle und Fundament mangelt, investiert Annette Markert in der Tiefe oft des (brustig angetönten) Nachdrucks zuviel. Koopman dirigiert sehr lebendig, vor allem Tempi und Dynamik, doch nirgends allzu spektakulär. Wenn er so weiter macht, dürfte die Kantaten-Gesamteinspielung zu einem ungefährdet guten Ende gelangen.

Susanne Benda, 01.12.1999



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