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Mrs Shrill’s Mindblowing Experience

Lo & Behold

Intuition/AL!VE INT 33
(86 Min., 2004) 2 CDs

Schon die Titelei ist Mummenschanz, aber genau das passt zu der Powerfrau aus dem Osten, der nicht so schnell vor etwas bange ist. Mit Mutterwitz als Strategie, der Eklektizismus so selbstverständlich ist, dass sie in dem Begriff wohl ein unpassendes Kritiker-Schubladen-Fremdwort sehen dürfte, und bewaffnet mit einem Altsaxofon, das ebenso frech wie erfrischend jenseits der Bebop-Parkerismen ansetzt, geht sie mit dieser Produktion um eine zackige neue Ecke in ihrer Karriere. Der Mummenschanz ist Programm. Nicht ihr Saxofonspiel steht hier im Mittelpunkt, sondern ihre genau kalkulierten Kompositionen. Die haben es in sich, denn sie wirken alles andere als berechnet oder berechnend, öffnen vielmehr ganz unterschiedliche imaginäre Spielfelder, auf denen zahlreiche Gäste Gelegenheit bekommen sich auszuspielen, dass Mrs Shrill selber Spielregeln und Spielzeit bestimmt, fällt erst durch die innere Logik der zunächst skurril disparat wirkenden Programmfolge auf, da klingt es mal nach HipHop, nach "On The Corner"-Miles, Zithermusik und Tango. Die Schräglagen wechseln in flotter Folge: die durchschnittliche Dauer der Titel liegt bei drei Minuten; der ganze Ansatz versteht sich als Kampfansage an den selbst ernannten guten Jazzgeschmack. Damit nicht genug: Eine zweite CD nimmt bissig und dazu in zwei Sprachversionen mit einer schrillen Parodie einer medienschicken Jazz-Talk-Runde das Business aufs Korn.

Thomas Fitterling, 08.10.2005



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