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Aurora borealis - Nordic Lights

Geir Lysne

ACT/Edel Contraire 9406-2
(47 Min., 11/2001) 1 CD

Ein dickes Lob für Nils Landgren, dass er als Programmchef des Jazz-Fests Berlin das Geir Lysne Listening Ensemble am 1. November 2001 ins "Haus der Festspiele" brachte. Wer die Big Band des Norwegers im Konzert erlebte, war begeistert, und wer den Mitschnitt hört, kann das bestens verstehen. Denn Lysne schreibt vertrackte Arrangements, die wunderbar angenehm ins Ohr gehen.
Bei ihm können Keyboards säußeln und Posaunen prustend singen, Saxofone ihre Einsamkeit klagen oder lüstern ihre Klangfülle genießen, während die Posaunen eine Höhlenlandschaft mit langen, getragenen Tönen abtasten. Trompeten, gedämpft und offen, tastende Perkussion, kräftige, schräge Grooves: Geir Lysne verfügt über ein unendlich großes Vokabular, mit dem er seine fünfteilige Suite erzählt. Da reiben sich Töne aneinander, als müsste jemand Rost von einer Stahlplatte bürsten, und zwischendurch heult der Nordwind durch das Ensemble, damit auch keiner vergisst, dass es Synthesizer gibt und Blasinstrumente kunstvoll gefertigte Rohre sind, durch die Luft weht.
Trommeln, dunkel und hell, mal im Taumel eines Tanzes, mal aggressiv, mal vergnügt: Jedes Instrument und jede Instrumentengruppe leistet ebenso eigenwillige wie ungewöhnliche Beiträge zu dem Klanggemälde. Feinsinnig und grob, dicht und weit gesponnen, in jedem Fall aber durchdacht wirkt das alles. Jubilieren und Absturz gehören ebenso zusammen wie kleine, dramaturgisch geschickt eingesetzte Free-Momente und großartig gesetzte, packende Passagen.
Dabei schreibt Geir Lysne vielschichtige Ensemblestrukturen, in denen er die Möglichkeiten von fünf Saxofonen, Flöte, vier Trompeten, vier Posaunen, zwei Schlagzeugen, Bass, Gitarre und Keyboards raffiniert ausnutzt und stellenweise recht unkonventionell kombiniert. Es lohnt sich, die Ohren für dieses "Listening Ensemble" offen zu halten. Nur wenige Big-Band-Platten fallen so prickelnd aus wie dieser Konzertmitschnitt.

Werner Stiefele, 30.05.2002



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