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Songs and Variations

John Taylor

CamJazz/ZYX CAMJ 7772-2
(51 Min., 2/2004, 3/2005) 1 CD

Der englische Pianist John Taylor ist immer noch in erster Linie ein musicians’ musician, ein Geheimtipp unter Eingeweihten. Dies allerdings sind keine Geringeren als Gil Evans, Jan Garbarek, Kenny Wheeler, Enrico Rava oder Peter Erskine. Mit Letzerem als Leader hat er hinreißende Trio-Musik eingespielt. Jetzt legt er auf dem italienischen Label CamJazz ein Soloklavierwerk vor, das perfekt aufgenommen und von Ermanno Basso umsichtig produziert wurde. Die aktuellen Solopianisten lassen sich grob in die jubelnden Schwelger und die spröden Reduktionisten einteilen. John Taylor ist eher den Reduktionisten zuzuordnen, aber spröde ist weder sein Spiel noch seine Kompositionsweise. Die sind vielmehr geprägt von einer reifen Lyrik als Grundtendenz. Das lyrische Moment drückt sich aber verhalten und nuancenreich aus, schlägt sich in klarer Linienführung nieder, zu der immer wieder auch klar konturierte Mittelstimmen gehören. Alle Kompositionen hier stammen von John Taylor selber, und sie sind bis auf zwei Titel sehr getragen und verzichten weitgehend auf ein streng durchmarkiertes Tempo, sind vielmehr von ruhig atmender Bewegung. Die wird durch eine hohe Anschlagskultur, die sich mit harmonischer raffinierter Delikatesse verbindet, in besonderer Weise klanglich erfahrbar. Dass er auch den Jubler geben könnte, scheint in der bezeichnender Weise mit "Escapade" betitelten letzten Nummer auf, aber das Schwelgen ist distanziert durch die ausgebuffte harmonische Brechung – und so gerät der Titel zu einem Kabinettstückchen britischer Selbstironie. Wie sagt doch Taylors Freund Kenny Wheeler über den Pianisten und diese CD: " ...fantastic!"

Thomas Fitterling, 13.08.2005



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