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Illuminations

McCoy Tyner

Telarc/In-Akustic CD-83599
(57 Min., 11/2003) 1 CD

Er swingt. Und wie! Je nach Stück klar und extrovertiert oder selbstverständlich und verhalten. McCoy Tyner, der in den 60er Jahren in der Band des Saxofonisten John Coltrane an dessen hymnischen Höhenflügen beteiligt war und sich Ende der 60er Jahre auf Trance-Reisen begeben hatte, ist längst wieder in die Mitte des Jazz zurückgekehrt. In wechselnden Besetzungen spielt er mit dem Saxofonisten Gary Bartz und dem Schlagzeuger Lewis Nash sowie zwei einstigen Young Lions, dem Trompeter Terence Blanchard und dem Bassisten Christian McBride erwartungsgemäß lupenreinen Mainstream. Dabei unterlegt die Band "Angelina" leichtes Latin-Flair, während "New Orleans Stomp" als kraftvolles Shuffle daherkommt. Bei "Soulstice" wiederum übertrifft das Tempo noch die Hektik der frühen Bebop-Phase, während die Soli von Gary Bartz und Terence Blanchard sowie die gesamte Anlage des Stücks an das Quintett von Miles Davis in den 60er Jahren erinnert. Mit "Blessings" gelang dagegen ein Loblied auf den Souljazz der späten 50er Jahre. Trotz dieser offenkundigen Bezüge imitiert McCoy Tyner mit seinen Partnern nie die Stile jener Jahre, sondern bezieht jeweils die Erfahrung der folgenden Zeit dreißig Jahre ein. Das macht die Disc zu einem unaufdringlichen Repräsentanten des postmodernen Jazz. Dabei lohnt es sich, genau hinzuhören, wie differenziert McCoy Tyner die Tasten drückt, wie weich und zart er die Saiten klingen lassen kann, wie verträumt - und wie er ebenso selbstverständlich hart und kraftvoll zugreift. Denn ein Ausnahmepianist ist er jetzt genauso wie damals, als er sich seinen Platz in der Jazzgeschichte erspielte. Nur reifer und altersweiser ist er inzwischen geworden. Es tut gut, dies zu hören. Die Aufnahmen sind als herkömmliche CD und als Hybrid-SACD lieferbar.

Werner Stiefele, 25.09.2004



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