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Mal Waldron Plays The Blues - Live At The Domicile

Mal Waldron

Enja/Helikon CD 2002-2
(44 Min., 6/1971) 2 CDs

"Live At The Domicile" wurde dieses Album im Juni 1971 aufgenommen, also zur besten Zeit des alten legendären Domiciles in München-Schwabings Siegesstraße. Mächtig Nostalgie schwingt da mit. Der Club verstand sich als der Jazznabel Deutschlands. Jazzlife satt wurde zelebriert. Für viele der damals in München tätigen Americans in Europe war er Poststelle, Büro und Treffpunkt. Ex-Ellington-Bassist Jimmy Woode gehörte zum inneren Zirkel, und der Stoiker des Jazzklaviers, Mal Waldron, lebte in der Stadt.
Zwei Jahre vorher hatte er mit einem Trio-Album das ECM-Label aus der Taufe gehoben. Jetzt nahmen Horst Weber und sein Partner Matthias Winckelmann die Piano-Legende mit Jimmy Woode und Pierre Favre im Domicile auf und machten mit einem Teil des Materials das erste Enja-Album.
Das Blues-Programm des Abends war für Japan bestimmt und war lange nur dort erhältlich. Jetzt kann man dieses Programm mit seinen Höhen und Tiefen auf CD nachverfolgen. Unbeirrt von akustischen Widrigkeiten, wie Woodes berüchtigtem überfetten, berstenden Montarbo-Verstärker-Klang, und den doch etwas zu rasch skizzierten, schlichten Waldron-Themen läuft der Pianist zu seiner damals typischen Hochform auf, die tranceartig machtvoll gehämmerte Wiederholungsfiguren gegen hypnotisierende Ostinati der linken Hand stellt.
Pierre Favre macht eine gute Figur zwischen dem Klaviergroove und der wummernd hingezupften Minimalmotivik Woodes, obschon ihm anzumerken ist, dass er lieber besser geprobte Musik spielen würde. Nachdem der Vortrag mit dem dritten Satz von Waldrons Blues-Suite vollends im Modalen zu stagnieren droht, bringen zwei pfiffig in konventioneller Form angelegte Blues von Woode eine willkommene Abwechslung und lassen die CD launig heiter ausklingen.

Thomas Fitterling, 07.02.2002



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