Responsive image

Threads

David S. Ware String Ensemble

Thirsty Ear/Rough Trade THI 57137.2
(45 Min.) 1 CD

Das neueste Album des Free-Jazz-Saxofonisten David S. Ware kommt unter irreführenden Vorzeichen daher. Es handelt sich hier keineswegs um ein eigentliches Streich-Ensemble. Zu einem durchaus konventionell besetzten Quartett mit Tenorsaxofon, Kontrabass, Keyboards und Schlagzeug gesellen sich lediglich auf vier der sechs Stücke noch der Bratschist Mat Maneri und der Geiger Daniel Bernard Roumain. Die verbleibenden zwei Nummern zumal sind reine Saxofon-Schlagzeug-Duos in schönster Coltrane/Rashid-Ali-Tradition. Die Konzentration auf den kompositorischen Aspekt, die der Hüllentext so eindringlich beschwört, ist eigentlich auch nur auf der Hälfte der verbleibenden Gesamtensemble-Einspielungen nachvollziehbar. Was mit typischer Tenorsaxofoninbrunst auf dem ersten Stück free-jazzig rubato-hymnisch anhebt und im zweiten Stück in ein sufi-trancehaftes Geschehen über ostinatem Bass mündet, wird dann in den von den Perkussions-Saxofon-Duos eingerahmten zwei eigentlichen Streicherkompositionen zu Meditationen transzendiert: polyphon mäandrieren die minimalistisch anmutenden Linien magisch zirkulär. Doch was zunächst als Etikettenschwindel erscheint, erweist sich nach dem Hörerlebnis als in sich stimmiges, mehrsätziges Gesamtwerk, das eine kraftvolle Spiritualität eint, die den Patronen Coltrane und Cecil Taylor ebensoviel verdankt, wie ganz konkret den Mitstreitern Matthew Shipp und William Parker, den beiden an den Keyboards und am Kontrabass ebenso wie in der Welt des Promotens und Produzierens so mächtig engagierten Verfechtern dieser Musiktradition.

Thomas Fitterling, 02.10.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Am seidenen Faden: Das hatte sich die kretische Königstochter sicher anders vorgestellt. Der schneidige Athener Prinz Theseus, mit dem sie von Zuhause ausgebüchst war, lässt sie auf der erstbesten der zahlreichen griechischen Inseln schlafend am Strand liegen und sticht in See. Dabei hatte sie ihm das Eheversprechen abgeluchst, bevor sie ihm im Gegenzug aus dem Labyrinth des Minotaurus heraushalf – mithilfe eines einfachen Fadens, den dieser beim Gang ins Innere abspulte und beim Weg zum […] mehr »


Top