Responsive image
Johann Sebastian Bach

Cembalokonzerte

Richard Egarr, Academy of Ancient Music, Andrew Manze

HMF/Harmonia Mundi 907283.84
(136 Min., 02/2001) 2 CDs

Johann Sebastian, gemeinsam mit Söhnen und Schülern in einem Leipziger Kaffeehaus eigene Cembalo-Konzerte musizierend - da wäre wohl so mancher gern dabei gewesen. Es ist jedoch nicht nur der Gedanke an den musikalischen Genuss, der die Vorstellung dieser Szenerie so atemberaubend macht, auch das Wissen darum, dass Bach mit den wohl weitgehend für diesen Zweck entstandenen Cembalo-Bearbeitungen eigener Streicher- und Bläserkonzerte die Gattung des Klavierkonzerts begründete, lässt einen nachdenklich innehalten: Wie oft erreicht eine neue Gattung schon augenblicklich einen so hohen Grad an Vollkommenheit? Bachs Cembalokonzerte, das beweist auch diese Neuaufnahme, haben nach über zweihundertfünfzig Jahren nichts von ihrer Frische und Kraft eingebüßt.
Richard Egarr und Andrew Manze, Konzertmeister und Leiter der Academy of Ancient Music, haben sich sehr ausführlich Gedanken über diese Stücke gemacht, wovon sie im Beiheft-Text ausführlich und informativ Zeugnis ablegen. Eine grundlegende Entscheidung war es, aus Gründen der klanglichen Balance alle Instrumente solistisch zu besetzen. Das Ergebnis rechtfertigt dieses Vorgehen: Die Möglichkeit zu sehr individueller Gestaltung auch der "Orchesterstimmen", von der die hervorragenden Musiker ständig Gebrauch machen, kam den Konzerten sehr zugute - jede einzelne Stimme spricht ihre eigene aussagekräftige Sprache.
Manze und Egarr haben auch das nicht oft zu hörende Konzertes a-Moll BWV 1044 aufgenommen, obwohl es sich dabei offenbar nicht in allen Teilen um eine Originalkomposition Bachs handelt. Schon die ersten Takte des Stücks überzeugen den Hörer, dass dieses aufregende Werk ein großer Gewinn ist. Unter den Tisch fallen hingegen - leider - die Konzerte für mehrere Cembali. Unabhängig von diesem kleinen Wermutstropfen ist die Aufnahme empfehlenswert, den sie lässt die herrlichen Stücke in optimaler Weise zur Geltung kommen.

Michael Wersin, 01.12.1999



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Gab es einen größeren Goethe-Verehrer unter den Komponisten als Ludwig van Beethoven? Den Poeten lernte Beethoven 1812 kennen, da hatte er sich von dessen Werken schon längst zu eigenen Kompositionen inspirieren lassen, vor allem zu einer ausgedehnten Bühnenmusik zum Trauerspiel „Egmont“. Eine geniale Mischung aus Poesie bzw. poetischer Andeutung und musikalischer Ausgestaltung, aus Worten und Klang. Diese Musik habe er „bloß aus Liebe zum Dichter geschrieben“, meinte Beethoven in […] mehr »


Top