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Certain Beauty

Heinz Sauer, Michael Wollny

Act/Edel Contraire 9442-2
(50 Min., 10/2005) 1 CD

Es gibt diese Koinzidenzen, die an Fügungen des Schicksals gemahnen: Im Jahr 1978 verlässt der Saxofonist Heinz Sauer die Gruppe von Albert Mangelsdorff. Fast zwei Jahrzehnte lang hatte das Komplementärverhältnis der Meister des eher logisch planenden und des eher expressiven Diskurses die deutsche Jazzszene geprägt. Im gleichen Jahr wurde mit Michael Wollny der Mann geboren, der heute als die große Nachwuchsentdeckung am Klavier Furore macht - und das mit einer Spielweise, die Rhapsodisches mit einem scharfen Sinn für Reduktion vereint. Vor zwei Jahren gerieten Heinz Sauer und Michael Wollny aneinander, und im Duo entwickelte sich jene wunderbare Beziehung des gegenseitigen Respekts und des sich Beflügelns, was sich so selten zwischen Kindern und Eltern einstellen mag, sich aber in Glücksmomenten in den Begegnungen über die Elterngeneration hinweg ereignet. Man wagte kaum auf eine Wiederholung des dabei entstanden Albums zu hoffen. Jetzt liegt es vor. Wieder sind die Stücke kurze, logisch sequenzierte Miniaturen. Klassiker des Standardrepertoires sind ebenso darunter wie Originale. Alle aber erfahren durch und durch von glühender Leidenschaft erfüllte Interpretationen, die so gar nichts Standardisiertes an sich haben. Ähnlich wie der altersweise Archie Shepp im Duo mit Mal Waldron öffnet sich der sonst verschlossene Rhapsode Sauer seinem jungen Partner, der in diesem Prozess sein eigenes Potenzial so faszinierend erlebbar entdeckt. Bebop, Freejazz und andere Kategorien verlieren angesichts dieser ergreifenden intimen Dialoge ihren Sinn. Anders gesagt: Certain Beauty ist schlicht ein Meisterwerk.

Thomas Fitterling, 25.02.2006



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