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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Johann Sebastian Bach

Die Flötensonaten

Wilbert Hazelzet, Jacques Ogg, Jaap ter Linden

Glossa/Note 1 GCD 920807
(01/2002) 2 CDs

Einen unaufdringlichen Bach, historisch korrekt und mit Potsdamer Akzent: so wollten Wilbert Hazelzet und seine Mitstreiter wohl die Flötensonaten des Thomaskantors präsentieren. Wilbert Hazelzet liebt den leise hingetupften Ton, die abgezirkelte Artikulation und das affektierte Auf- und Abschwellen langer Noten; dieser Liebe geht er über Jaap ter Lindens ungeschnörkeltem Cellostrich nach, der ehrlich, tragend und knarzig ist wie unbehandelter Dielenfußboden. Beide trennt allerdings ein großer Abstand, den auch die saftigsten Harmonien des hellen flämischen Cembalos nicht recht füllen können.
Zwei der galanteren unter den Sonaten und die Bearbeitung der c-Moll-Sonate aus dem "Musikalischen Opfer" für Friedrich den Großen begleitet Jacques Ogg auf einem Fortepiano nach Gottfried Silbermann, wie es Bach in Potsdam unter die Finger bekam. Mir kam beim Hören der Aufnahme allerdings ein Spruch Christian Friedrich Daniel Schubarts über die "Berliner Schule" in den Sinn: "Über dem Grübeln", höhnte der, "verduftet zu viel Geist." Besonders leidet darunter die große h-Moll-Sonate: Hazelzet nimmt schon das Anfangsmotiv des ersten Satzes vorsichtig in die Hand, um jede weitere seiner reichen motivischen Metamorphosen und Fortspinnungen mit der Liebe eines Sammlers unter der Lupe zu betrachten: um den Preis des geheimnisvollen Sogs, den der Satz bei vorwärtsdrängenderen Interpreten entfaltet.
Auch in den langsamen Sätzen ist Hazelzet mehr Forscher als Sänger, wobei mir die Anblasdruckveränderungen, mit denen er lange Töne zu beleben sucht, in ihrer Häufung zu manieriert erscheinen. Wirklich gut bekommt der Hang zum Grübeln allein der Triosonate über Friedrichs königliches Thema, das ja auch zu raffinierten Künsteleien provozieren sollte. Stimmig sind allerdings auch die schnellen Sätze der galanten und z. T. nicht authentischen Sonaten.
Einerseits lässt sich ein falscher Bach wohl mit mehr Nonchalance hinlegen als ein echter, andererseits legt Hazelzet mit seiner Suche nach melodischen Raffinements genau die Substanz frei, die man diesen leichtgewichtigeren Stücken gerne abspricht.

Carsten Niemann, 01.12.1999



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