home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Responsive image
Johann Sebastian Bach

Die Flötensonaten

Wilbert Hazelzet, Jacques Ogg, Jaap ter Linden

Glossa/Note 1 GCD 920807
(01/2002) 2 CDs

Einen unaufdringlichen Bach, historisch korrekt und mit Potsdamer Akzent: so wollten Wilbert Hazelzet und seine Mitstreiter wohl die Flötensonaten des Thomaskantors präsentieren. Wilbert Hazelzet liebt den leise hingetupften Ton, die abgezirkelte Artikulation und das affektierte Auf- und Abschwellen langer Noten; dieser Liebe geht er über Jaap ter Lindens ungeschnörkeltem Cellostrich nach, der ehrlich, tragend und knarzig ist wie unbehandelter Dielenfußboden. Beide trennt allerdings ein großer Abstand, den auch die saftigsten Harmonien des hellen flämischen Cembalos nicht recht füllen können.
Zwei der galanteren unter den Sonaten und die Bearbeitung der c-Moll-Sonate aus dem "Musikalischen Opfer" für Friedrich den Großen begleitet Jacques Ogg auf einem Fortepiano nach Gottfried Silbermann, wie es Bach in Potsdam unter die Finger bekam. Mir kam beim Hören der Aufnahme allerdings ein Spruch Christian Friedrich Daniel Schubarts über die "Berliner Schule" in den Sinn: "Über dem Grübeln", höhnte der, "verduftet zu viel Geist." Besonders leidet darunter die große h-Moll-Sonate: Hazelzet nimmt schon das Anfangsmotiv des ersten Satzes vorsichtig in die Hand, um jede weitere seiner reichen motivischen Metamorphosen und Fortspinnungen mit der Liebe eines Sammlers unter der Lupe zu betrachten: um den Preis des geheimnisvollen Sogs, den der Satz bei vorwärtsdrängenderen Interpreten entfaltet.
Auch in den langsamen Sätzen ist Hazelzet mehr Forscher als Sänger, wobei mir die Anblasdruckveränderungen, mit denen er lange Töne zu beleben sucht, in ihrer Häufung zu manieriert erscheinen. Wirklich gut bekommt der Hang zum Grübeln allein der Triosonate über Friedrichs königliches Thema, das ja auch zu raffinierten Künsteleien provozieren sollte. Stimmig sind allerdings auch die schnellen Sätze der galanten und z. T. nicht authentischen Sonaten.
Einerseits lässt sich ein falscher Bach wohl mit mehr Nonchalance hinlegen als ein echter, andererseits legt Hazelzet mit seiner Suche nach melodischen Raffinements genau die Substanz frei, die man diesen leichtgewichtigeren Stücken gerne abspricht.

Carsten Niemann, 01.12.1999



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top