Responsive image
Johann Sebastian Bach

Partiten Nr. 1, 3, 6

Piotr Anderszewski

Virgin Classics 7243 545526 2 5
(68 Min., 11/2001) 1 CD

Nach Einspielungen mit Werken von Beethoven (siehe Rezension) und Mozart (siehe Rezension) legt Piotr Anderszewski nun seine erste Bach-Aufnahme bei Virgin vor. Das klingt, was die Programmgestaltung angeht, nach gängigen Höhepunkten, doch nimmt man dem 1969 geborenen Pianisten ohne weiteres ab, dass diese Auswahl weniger aus verkaufstechnischem Kalkül denn aus echtem Interesse erfolgt, denn seine Interpretationen zeichnet durchweg ein sehr persönliches Engagement aus.
Im Falle dieser drei Bach-Partiten ergibt dieses Engagement aber ein zwiespältiges Bild. Eine Anlehnung an historische Aufführungspraxis ist nicht unbedingt Anderszewskis Sache, ebensowenig aber eine Romantisierung, denn dazu ist sein Bach viel zu präzis und klar, gelegentlich sogar sachlich. Er spielt mit einer einer durchdachten (Stufen-)Dynamik, die Polyfonie ist durch die Klarheit ganz präsent, aber weniger durch dynamische oder anschlagtechnische Differenzierung zwischen den Stimmen herausgearbeitet. Und es gibt Momente (Sarabande der Partita Nr. 1), in denen er eine langsame Sanftheit an den Tag legt, die geradezu selbstverloren wirkt. Fahrig gespielt ist dagegen die Courante der Nr. 3, wo in der Allemande unvermittelt rhythmische Freiheiten an der Grenze des Erträglichen auftauchen. Merkwürdig starr ist die einleitende Toccata der Nr. 6 geraten.
Und es lässt sich ein genereller Fehler beobachten: Anderszewski zeigt die Neigung, das Besondere, das Charakteristische in Bachs Musik überzubetonen. Dagegen spielt er in den vermeintlich füllenden, sequenzierten Passagen mit einer nonchalanten Nachlässigkeit und scheint hier wieder auf die "Substanz" zu warten. Insgesamt eine etwas enttäuschende Einspielung voller guter Absichten, die jedoch allein nicht ausreichen, um beim Hören die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Matthias Reisner, 01.01.1970



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Mozart war neun Jahre alt, da komponierte Georg Christoph Wagenseil seine Sammlung von sechs Konzerten für Orgel oder Cembalo, zwei Violinen und Basso continuo. Mit einem Bein stand er im Barock (als Lieblingsschüler von Johann Joseph Fux) und dem anderen in der Wiener Klassik (als Lehrer von Königin Marie Antoinette und Johann Baptist Schenk, der wiederum Ludwig van Beethoven unterrichtete). Heute kennt ihn so gut wie niemand mehr, dabei prägten seine Werke die klassische Tonsprache ganz […] mehr »


Top