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The Birth & Rebirth Of Swedish Folk Jazz

Bengt-Arne Wallin

ACT/Edel Contraire 9254-2
(100 Min., 671962, 6/1997) 2 CDs

Schweden scheint, wenn wir dem Gemälde auf dem Beiheft glauben dürfen, ein exotisches Land zu sein, wo Palmen und Agaven grünen. Dass wir da nicht so danebenliegen können, bestätigt schon die Musik der ersten CD: Mindestens so exotisch wie das Spanien von Miles Davis und Gil Evans - Namen, die vielen unvermittelt einfallen dürften.
Mit "Old Folklore In Swedish Modern", dem ersten großangelegten Beispiel für "Swedish Folk Jazz", gelang dem Trompeter und Arrangeur Bengt-Arne Wallin 1962 ein opulentes Klanggemälde, das nicht nur Landschafts-, sondern auch viel Zeitkolorit einfing: Wallin stand ganz auf der Höhe seiner damaligen Zunftgenossen, arrangierte mit der Farbenpracht eines Johnny Richards, der Effektsicherheit eines Pete Rugolo, mit dem entspannten langen Atem eines John Lewis, überbrückte wie Eddie Sauter den scheinbaren Graben zwischen "Third Stream" und "Easy Listening". Geschickt lässt er (wie Jahrzehnte später das Vienna Art Orchestra) einen Sopran im Ensemble mitsingen oder zaubert einige Studiogeiger aus dem Hut, die wie Dorffiedler klingen.
Im Bengt-Arne-Wallin-Orchester befanden sich ausgezeichnete Solisten wie Sahib Shihab oder Bjarne Nerem. Die hat das Jazz-Baltica-Ensemble auf der 1997 aufgenommenen zweiten CD auch, etwa Tomasz Stanko, Nils Landgren und Per Goldschmidt. Spielwütig machen sie sich über die gar nicht mehr so exotischen, viel weniger durcharrangierten Volkslieder her, als wären es "ganz normale" Jazz-Standards. Finesse und Feeling von Teil 1 bleiben aber unerreichbar. Doch warum sollte Wallin mehr Glück haben als fünfundneunzig Prozent aller Romanautoren und Filmemacher?

Marcus A. Woelfle, 31.01.1998



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