Responsive image
Johannes Brahms, Max Reger

Sinfonie Nr. 4, Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart op. 132

Sächsische Staatskapelle Dresden, Karl Böhm

Iron Needle/Disco-Center IN 1387
(70 Min., 1938, 1939) 1 CD, mono

Zunächst nimmt die Tonqualität dieser detailgenauen, erstaunlich plastischen Mono-Aufnahme von Ende der dreißiger Jahre für sich ein. Sie fördert vorzügliche Bläserleistungen und herrlich singende Streicherkantilenen zutage – Vorzüge, welche die Dresdner Staatskapelle nicht nur im jetzigen, ihrem vierhundertfünfzigsten Jubeljahr auszeichnen.
Gerade in den zwanziger und dreißiger Jahren wurde sie als Klangkörper erster Güte gehandelt, besonders von Richard Strauss und seinem "Adjutanten", dem Direktor der Staatsoper in den Jahren 1934 bis 1942, Karl Böhm. Was dessen Jahrhundert-Ruf als Strauss- und Mozart-Interpret begründete, das offenbaren auch die beiden hier eingespielten romantischen Spätlinge: ein untrügliches Gespür für Form und Proportionen.
Das "Männlich-Herbe", das man Brahms' Letzter nachsagt, findet sich auch bei Böhm, aber es ist nirgends martialisch zugespitzt. Es gibt keine Tempo-Extreme, keine egoman-dämonischen Vergewaltigungen des Werkes, aber auch keine Schludrigkeiten im Namen des "großen Wurfs", wie sie so mancher Interpret zelebriert. Hier waltet eine vor allem rhythmische Präzision, eine Detailgenauigkeit, die gleichwohl die großen Linien nicht vergisst. Böhm wollte nie "interessant" erscheinen, und so darf bei ihm ein Andante moderato ein solches auch sein; der Kontrast zum forschen Allegro giocoso ist deutlich, aber weder wird jenes verschleppt noch dieses verhetzt.
In Regers Mozart-Variationen schließlich kommt Böhm, wenn auch auf spätestromantisch-hyperchromatischen Umwegen, dem Salzburger Genie und dessen göttlicher Kunst von Proportion und Leichtigkeit sehr nahe.

Christoph Braun, 28.02.1998



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top