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Max Reger

Variationen und Fuge über ein Thema von Bach und eines von Telemann

Marc-André Hamelin

Hyperion/Koch CDA 66996
(73 Min., 4/1997, 4/1998) 1 CD

Regers Bach-Variationen gehören zu den gewaltigtsten, schwierigsten Stücken der gesamten Klavierliteratur. Diese Tonkathedrale wächst nicht etwa auf einem bekannten, einprägsamen Thema, sondern auf einer ganz zarten, flüchtigen Oboenmelodie, die Reger einer Kantate entnommen hat.
Nun wagt sich die neue Erlöserfigur der Pianowelt, Marc-André Hamelin, an diesen Brocken. Diese Variationen sind indes kein Supervirtuosenfutter für Notenfresser, sondern ein verkanntes, wunderbares Meisterwerk, tief und poetisch. Regers Satzüppigkeit zielt nicht auf virtuose Wirkungen. Im Gegensatz zu seinem Medtner-Zyklus, wo er gelegentlich ins mulmige Donnern glitt, gerät Hamelins Reger-Platte grandios und gewissenhaft. Weil er so behutsam, so unendlich sacht durch die langsamen, lyrischen Variationen geht, weil er selbst die Fuge geradezu verwegen leichtgewichtig beginnt, weil er so ungemein klug dosiert und die riesigen Steigerungswellen, mit denen manche Variationen anbranden und die Fuge endet, aus dem zartesten Nichts hervorholt.
Zwischen den Blöcken der Bach- und der Telemann-Variationen finden sich die fünf Humoresken op. 20. Wenn sich eine Größe wie Hamelin dieser Frühwerke annimmt, werden sie vielleicht endlich wiederentdeckt. Es ist nämlich unsäglich, wie diese zugegeben teilweise noch “brahmselnden”, wunderschönen Stücke in den gängigen Konzertführern abgetan werden.

Matthias Kornemann, 28.02.1999



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