Responsive image

Do You Love Wagner?

Mike Svoboda

Wergo/Note 1 Wer 6802 2
(59 Min., 1/2004) 1 CD

Mögen Sie Wagner? Oder nicht? Schon den Namen gehört? Und die Musik? Mike Svoboda nähert sich dem umstrittenen Giganten so unbefangen, wie er einst in New Yorker U-Bahnhöfen sein Alphorn auspackte und mit all seinen virtuosen Fähigkeiten die unterirdische Klangszenerie kunstvoll ergänzte. Jetzt wagnert er, und 2006 wird er mozarten. Das hat mit einem Gefühl für Zeitthemen zu tun. Dass er die so unangepasst und eigenständig, so kompromisslos und frei von jeglicher Hommagentradition umsetzt, zeichnet ihn aus. Nein, Wagner ist nicht mehr länger seine "secret love" - aber liebt er ihn selbst? In knappen Textfetzelchen erinnert er an Wagner-Interpretationen, die ihn zum halben Deutschen und halben Franzosen erklären: Sagt diese Reminiszenz an Rezensentengeschafel etwas anderes als das nachfolgende "He was so good. And so very much one of us" mehr aus? Von Erik Satie stammt die Textvorlage - aber hat dies eine Bedeutung? Ähnlich eklektizistisch wie er Nietzsche, Filippo Tommaso Marinetti und andere zitiert, nützen Svoboda, der Cellist Scott Roller, der Bassist Wolfgang Fernow und der Schlagzeuger Michael Kiedaisch Bruchstücke aus Wagner-Werken als Ausgangsmaterial für höchst vergnügliche Collagen aus Neuer Musik, Free Jazz, Entertainment und Geräusch. Dass Kiedaisch auch noch E-Gitarre und Akkordeon spielt, würzt das Geschehen. Svoboda selbst greift zu seinem Hauptinstrument, der Posaune, aber auch zu Megafon und Harmonika. Gleichgültig, ob das Quartett Wagner-Motive zitiert, ob es sie gegen den Strich bürstet und scheinbar profanisiert: es bleibt stets ernsthaft bei seiner vergnüglichen Liebeserklärung an sich selbst, an Wagner und das Publikum.

Werner Stiefele, 22.01.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Nun gibt es sie also, die erste offizielle Barock-CD (oder sogar generell?!) zur Coronakrise. Zumindest für das Coverfoto posiert die Lautten Compagney Berlin im Mundschutz, den man bei den Proben freilich auch in enger Kreisaufstellung nicht trug, wie die übrigen Fotos belegen. Hier soll der Bezug zur Krise die schon früher geborene Idee eines Bach-Albums brachial aktualisieren, wobei Bachs Musik durch diese Verengung auf COVID-19 nicht unbedingt gewinnt, so fundamental ist seine […] mehr »


Top