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Free and Equal

John Surman

ECM/Universal 017 065-2
(67 Min., 6/2001) 1 CD

Im Schlagzeuger Jack DeJohnette fand der englische Bariton- und Sopransaxofonist und Bassklarinettist John Surman einen gleichgesinnten Partner. Beide sind exzellente Improvisatoren, und beide zeichnet ein Gespür für musikalische Abläufe und Formen aus. John Surman komponierte für “Free And Equal” neun eigenwillige Stücke, die weder in die Klassik noch in den Jazz passen. Obwohl dies längst notwendig wäre, hat sich immer noch kein Begriff für eine überwiegend europäische Musik herausgebildet, in der sich mit dem Jazz verwandte Improvisationen, Harmoniestrukturen und Rhythmen und die Traditionslinie der europäischen Konzertmusik vereinen. Es sei denn, man greift auf das von Werner Pirchner im Scherz eingeführte “EU” als Kürzel für europäisch oder Ernst plus Unterhaltsam zurück. Aber genau dies geschieht hier. John Surman schöpft ebenso selbstverständlich aus Alter Musik, Barock, Romantik, Minimalismus und Filmklängen, wie er sich im Jazz-Lager bedient. Sehr persönlich, ja einzigartig ist diese Mischung. Da pulsiert das Titelstück irgendwo zwischen Balkan, Marching Bands und mittelalterlichem Jahrmarkt, und in “Sea Change” stehen wohlgesetzte Bläser und ein Abkömmling der Marching Bands vor einem Duo von Baritonsaxofon und Schlagzeug. Im Gegensatz dazu ist die mehrstimmige Bläsereinleitung von “Fire” aus einer Fülle von Klangpunkten zusammengesetzt. Aus ihnen entwickelt sich ein Arrangement, das an den frühen Crossover aus den 1920er Jahren aus Jazz und Ernster Musik bei George Gershwin und Kurt Weill erinnert. Die London Brass, ein Ensemble mit vier Trompeten, Waldhorn, vier Posaunen und Tuba, bläst diese Ensemblepassagen mit enormer Musizierlust in einer ausgewogenen Balance zwischen Disziplin und jazziger Freiheit. Lassen wir die Wurzel-Suche beiseite und lehnen wir uns einfach zurück. Dann hören wir eine ungewöhnliche, dabei sehr angenehme, von der Atonalität der Neuen Musik und dem routinierten Swing des Jazz freie Musik, der zu lauschen ein großes Vergnügen ist.

Werner Stiefele, 10.05.2003



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