Responsive image

Brazilian Dreams

Paquito D'Rivera

Manchester Craftmen's Guild/In-Akustik MCGJ 1010
(54 Min., 4/2001) 1 CD

Heutzutage muss man mit der Lupe nach Jazzern fahnden, die noch kein Bossa-Album abgeliefert haben. Trotzdem erscheint es merkwürdig, wenn sich mit Paquito D'Rivera ein Kubaner, der seit Irakere-Tagen über die spannende Tradition seiner Herkunftsinsel gebietet, zu Jobim bekennt. Mittlerweile kommt man wohl nicht darum herum, anzuerkennen, dass "Corcovado", "Desafinado" und einige andere längst zum Kanon der Standards zählen und damit jeder - vor allem, wenn er (oder sie!) ein Mikrofon oder ein Saxofon halten kann - ungestraft seine Lesart abliefern darf.
Dennoch liegt der Fall hier komplizierter: Paquito D'Rivera spielt auf dieser sorgfältigen Live-Aufnahme nicht nur Altsaxofon, er entzückt immer wieder mit bemerkenswerten Klarinettenchorussen. Den Stempel der Authentizität erhalten seine Auslegungen des Jobim-Songbooks durch den Trompeter Claudio Roditi und eine brasilianische Rhythmusgruppe; Individualität erreichen sie jedoch erst durch die Interpretationen der New York Voices, einer vierköpfigen A-cappella-Formation.
Vokalgruppen, mögen sie auf noch so hohem Niveau singen, treffen nicht jedermanns Geschmack; gerade bei so notorisch entspanntem, dabei von der rhythmischen Pointiertheit der Ausführung lebendem Repertoire scheinen sie mir problematisch: Harmoniegesang bietet sich zwar durchaus an, um die reizvollen Akkorde Jobims zu verdeutlichen. Doch gekünstelt wirkt die gelegentliche Neigung der New York Voices zu übertriebenen Auszierungen der schlichten Melodien und manchen Unarten des nordamerikanischen Showbusiness. Originalität hat manchmal ihren Preis.

Mátyás Kiss, 24.10.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Es gibt zwei Arten von Variationswerken. Die einen machen ganz banal ihrem Namen alle Ehre und variieren etwas, in der Regel eine Melodie. Die anderen gehen darüber hinaus. In die erste Kategorie fallen unter anderem auch Werke prominenter Jubiläumskomponisten, die man getrost in der Schublade lassen kann. In die zweite Kategorie fällt eher wenig. Als Igor Levit sich 2015 den großen pianistischen Variationswerken widmete, durften zwei natürlich nicht fehlen. Klar, Beethovens […] mehr »


Top