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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Johann Sebastian Bach

Konzerte für Violine (und Oboe)

Hilary Hahn, Los Angeles Chamber Orchestra, Jeffrey Kahane

DG/Universal 474 199-2
(57 Min., 01/2003) 1 CD

Dreiundzwanzig Lenze zählt sie mittlerweile, die begnadete amerikanische Geigerin Hilary Hahn; eben noch ein umjubelter Teenie-Star, nun eine einzigartig befähigte junge Dame, und ein Bruch der Leistungskurve, wie ihn viele Wunderkinder irgendwann durchzumachen haben, scheint bei ihr ausgeblieben zu sein. Sieben Jahre wurde sie von Sony betreut, wo sie 1997 mit Solo-Partiten und -Sonaten von Bach debütierte; nun wechselte sie zur Deutschen Grammophon und begann ihre Aufnahmetätigkeit dort ebenfalls mit Musik von Bach: Gemeinsam mit der Geigerin Margaret Batjer, dem (leider allzu schwächlichen) Oboisten Allan Vogel und dem Los Angeles Chamber Orchestra unter Jeffrey Kahane nahm sie konzertante Werke des Meisters auf.
Zweifellos ist Hilary Hahns Spiel während der vergangenen Jahre in glücklicher Weise gereift: Ihr kaum verwechselbarer Ton hat unter Bewahrung seiner Klarheit und Präsenz an Farbe und Rundung hinzugewonnen; ihre Technik hat eine Stufe schlafwandlerischer Sicherheit erreicht, die schwerlich zu überbieten sein wird. Stringent und höchst engagiert präsentiert sie auf der Basis dieses Könnens Bachs Concerti in einem Interpretationsstil, der in den sechziger und siebziger Jahren seine große Zeit hatte: Man könnte meinen, Arthur Grumiaux oder gar Henryk Szeryng sei auferstanden. Freilich hat das mit der historisierenden Praxis, die in den letzten Jahrzehnten eine beherrschende Position gerade für die Bach-Interpretation eingenommen hat, so gut wie gar nichts zu tun. Um die vorliegende CD genießen zu können, muss man sich frei machen von der Erwartung, barocke Rhetorik bei sparsamem Einsatz von Vibrato vorzufinden. Hahns Bach kommt vielmehr vom Legato her, und sie entlockt den melodischen Linien dieser Musik damit ganz andere Qualitäten, als etwa Simon Standage oder Andrew Manze dies tun: Süffig-wohlklingende Intensität tritt an die Stelle detaillierter Artikulation. Akzeptiert man dies, so wird man diese CD mit sehr edlem, aufpoliertem, manchmal ein wenig zu süßem und wohl ganz unhistorischem Bach sehr mögen.

Michael Wersin, 01.12.1999



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