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Wolfgang Rihm, Caspar Johannes Walter, Benedict Mason

Trompetenkonzerte

Reinhold Friedrich, hr-Sinfonieorchester, Sian Edwards, Lucas Vis

Capriccio/Delta 4 006408 108801
(69 Min., 5/1999, 9/1999) 1 CD

Armer Marsyas! Wir erinnern uns: Der Satyr forderte Apollo zu einem musikalischen Wettstreit heraus, verlor und wurde vom Gott der Musen bei lebendigem Leibe enthäutet. Wer aus diesem bejammernswerten Schicksal folgert, bei Wolfgang Rihms "Marsyas" betitelter Rhapsodie für Trompete mit Schlagzeug und Orchester müsse es sich zwangsläufig um ein gequältes, nervenzerfetzendes Stück Musik handeln, sieht sich angenehm getäuscht.
Zwar verlangt dieses Werk vom Solisten einen sehr großen Atem, unerschöpfliche Energie und die Beherrschung äußerst vielfältiger Spieltechniken, doch stehen diese Anforderungen im Dienst einer spannenden, gleichsam erzählenden Musik, die einen klugen dramaturgischen Bogen vom stürmischen Beginn über mehrere eloquente Soli und eruptive Steigerungen bis hin zur desillusionierenden Coda im Jazz-Stil (neu bei Rihm!) spannt. Rihm hat einen Grad an Souveränität erreicht, der ihn im Rahmen einer in den letzten Jahren immer klarer definierteren individuellen Tonsprache immer wieder neue Lösungen finden lässt. Reinhold Friedrich, dem das Werk gewidmet ist, findet hörbar Freude an den Aufgaben, die der Komponist ihm stellt.
Hohe Ansprüche stellen auch die anderen beiden Werke, ohne mich indes sonderlich zu begeistern. Die "Vier Stücke gegen den Stillstand" von Caspar Johannes Walter zeichnen eine vorwiegend statische Klanglandschaft, in der Aktionen von Solist und Orchester gegen das völlige Erstarren ankämpfen – zum Teil in durchaus interessanter Weise. Insgesamt jedoch findet hier, ungeachtet des Titels, sehr wenig Bewegung statt. Wo Rihm komponiert, schafft Walter lediglich Klänge – möglichst abseits des Gewohnten und gerade in ihrem etwas verkrampften Avantgardismus letztlich in Langeweile umschlagend.
Der Brite Benedict Mason schließlich hatte eine besonders originelle Idee: In seinem Trompetenkonzert steht nur der Solist auf der Bühne, und zwar ausschließlich an deren hinterem Ende; die diversen Orchestergruppen sind hingegen irgendwo unsichtbar im Gebäude verteilt – mit dem Ergebnis, dass die gesamte Komposition sich in den untersten Lautstärkegraden abspielt. Im Konzert mag das einer gewissen Faszination nicht entbehren, auf CD stellt sich die Frage nach dem Sinn – vor allem, wenn die Huster der Live-Aufnahme teilweise lauter sind als die Musik und das Ganze auch noch fast eine halbe Stunde dauert.

Thomas Schulz, 26.07.2001



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