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Wolfgang Rihm, Galina Ustwolskaja, Bernd Alois Zimmermann

Musik für Klarinette und Orchester, Sinfonie Nr. 3, Photoptosis

Jörg Widmann, Valeri Scherstanoi, Symphonieorchester des BR, Sylvain Cambreling, Markus Stenz

Col legno/Helikon Harmonia Mundi 5 099702 008327
(65 Min., 12/1998, 11/1999) 1 CD

Langsam schreitet sie voran, die Serie mit Live-Aufnahmen aus der Münchner Konzertreihe "Musica Viva", doch das Warten lohnt sich stets aufs Neue. Die relativ frischen Tondokumente dieser CD präsentieren jeweils typische Werke dreier grundverschiedener Komponisten, von denen die einsiedlerische St. Petersburger Komponistin Galina Ustwolskaja immer noch ein Geheimtipp ist.
Die Werke der Zweiundachtzigjährigen besitzen fast immer einen religiösen Hintergrund; in der Dritten Sinfonie sind es Texte des mittelalterlichen Gelehrten Hermannus Contractus, die an einigen Stellen rezitiert werden. Mit meditativer kompositorischer Spiritualität à la Pärt oder Kantscheli hat die stachlige, kantige, extrem asketische und teils sehr gewalttätige Musik der Ustwolskaja nichts gemein, weswegen diese schwer verdaulichen Klänge auch wohl nie populär, geschweige denn "Kult" werden können.
Wolfgang Rihms Musik für Klarinette und Orchester mit dem Untertitel "Über die Linie II" demonstriert wieder einmal seine Fähigkeit, in jedem Werk zu jeweils neuen, individuellen und meist auch überzeugenden Lösungen zu gelangen. Sein Klarinettenkonzert ist - daher der Titel - ganz aus der melodischen Linie erfunden, fordert gleichzeitig den Solisten bis an die Grenzen und darüber hinaus, hinterlässt dabei jedoch einen äußerst ruhigen, kantablen und verinnerlichten Eindruck - Virtuosität, die sich selbst verbirgt.
Rihm sagt in seinem Einführungstext, er traue dem Solisten Jörg Widmann - selbst ein hochbegabter Komponist - "alles zu". Mit Recht. Widmann meistert seinen Part mit Bravur und hat in diesem Konzert - es handelt sich um den Mitschnitt der Uraufführung - mit großer Wahrscheinlichkeit ein neues Repertoirestück aus der Taufe gehoben.
Mit Markus Stenz' Einspielung von Bernd Alois Zimmermanns gleichermaßen farbigem wie explosivem Orchesterprélude "Photoptosis" macht sich Col legno selbst Konkurrenz, denn es existiert eine weitere Aufnahme mit Bernhard Kontarsky und dem DSO Berlin (siehe Rezension). Die beiden Interpretationen ergänzen sich jedoch vortrefflich; Kontarskys Live-Aufnahme klingt brillanter und kulinarischer, Stenz nimmt sich mehr Zeit und fächert die motivische und klangliche Vielfalt des Werks gewissenhaft auf.

Thomas Schulz, 15.11.2001



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