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Wolfgang Rihm

Chiffre-Zyklus

Ensemble Musikfabrik, Stefan Asbury

cpo/JPC 777 169-2
(88 Min., 3/2004)

Der Weg ist das Ziel. Nach diesem Kompositionsprinzip hat bereits Luigi Nono gearbeitet, auch Pierre Boulez unterzieht sein Werk einer ständigen Metamorphose. Ebenfalls Wolfgang Rihm hat sich den evolutionären Möglichkeiten von nur scheinbar Abgelegtem verschrieben. Und so ist in 22 Jahren ein zehnteiliger Zyklus für verschiedenste Ensemble-Besetzungen entstanden, in dem sich einzelne Spannungsmomente, kalligraphische Gesten und motorische Zustände rhizomartig ausgebreitet haben. Als Rihm 1982 seine erste "Chiffre" komponierte, war es aber von ihm weder geplant, noch für ihn vorauszusehen, dass diese ihn bis 2004 beschäftigen und herausfordern sollten. Bis zum vorerst letzten Stück "Nach-Schrift (eine Chiffre)", mit dem er noch einmal die allererste "Chiffre" aufgriff und klangübermalte.
So sehr Rihm damit auch dem Fragmentarischen eines Kunstwerks Konturen gibt, so besitzt doch jede "Chiffre" eine eigene Identität. Ein eigenes Innenleben, das an die Oberfläche drängt. Und erstaunlich bleibt stets, wie Rihm neue Reibungskräfte "erfindet", er Espressivo-Skalen umstellt, zerlegt, übereinander schichtet und so jeder Chiffre schließlich ein überaktives Herz-Rhythmus-System einzieht. Für die mit allen Wassern gewaschene musikFabrik stellen diese zumeist grellen und ruppigen, aber immer enorm vertrackten Partituren jedoch keine großen Herausforderungen dar. Zumindest wenn man nach dem kaum zu überbietenden Niveau und der Intensität der Gesamtseinspielung geht.

Guido Fischer, 21.07.2006



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