Grundsätzlich ist diese CD ein Knüller. Aber nur grundsätzlich. Jenseits der Freude und des Staunens darüber, dass es tatsächlich noch Unbekanntes von Rossini zu entdecken gibt, und jenseits auch der Begeisterung über des Komponisten leichtfüßigen und opernnahen Umgang selbst mit einem so schwerwiegenden Sujet wie etwa der Einsetzung eines neuen Papstes, ist die Aufnahme indes nur mit Einschränkungen erfreulich.
Allein sängerisch wird hier - mit Ausnahme lediglich von Michele Pertusi - ein durchweg mäßiges Niveau nirgends überschritten; zumal Mariella Devia als Dido mit einem unkontrollierten Tremolo und mit auffälligen stimmlichen Schärfen zu kämpfen hat. Riccardo Chailly dirigiert die 1818 und 1847 uraufgeführten Werke zwar mit Sinn für die effektvolle Anlage der Ensembles, lässt jedoch den erforderten temperamentvollen Schwung oft vermissen. Zumindest in Teilen mag das mit am Scala-Orchester liegen, dessen Aktionen man sich oft schärfer und pointierter gewünscht hätte.
Vor allem die Chor- und Ensemblesätze enthalten indes - selbst wenn man manches irgendwo anders bei Rossini schon gehört zu haben meint - inspirierteste Musik. Dass die Texte zumal der Huldigungskantate heute unfreiwillig komisch wirken, dürfte Rossini, so er denn vom späten Ruhm seiner kompositorischen Mauerblümchen noch etwas mitbekommen sollte, womöglich eine ganz besondere, hämische Freude bereiten.

Susanne Benda, 31.05.1998



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