Ich gebe zu, dass mich zur Zeit kein Chor so überzeugt wie der RIAS-Kammerchor, wenn er unter seinem Leiter Marcus Creed singt: Das klingt beweglich, ungemein lebendig, sehr homogen in den Einzelstimmen wie im Gesamtklang - und immer wieder entlockt Creed seinen Sängern enorm ausdrucksstarke Momente. Wer diese Qualitäten des Berliner Chores in der Neuaufnahme von Rossinis "Kleiner feierlicher Messe" bestätigt finden will, dem dürfte es schon genügen, wenn er einfach Track 10 ansteuert: Da nämlich erklingt die Fuge "Cum Sancto Spiritu" in geradezu beschwingter Leichtigkeit.
Das Leichte, lehrt uns Creed allerdings (obwohl wir es natürlich schon wussten) hat mit dem Seichten nicht unbedingt viel zu tun. Dabei ist die Frage, wie viel innige Gläubigkeit auf der einen und wie viel äußerliche Theatralik auf der anderen Seite Rossini seiner Messe einkomponiert hat, sicherlich weniger wesentlich als die Erkenntnis, dass hier der Inhalt der Liturgie auch in dramatisierter Form glaubwürdig vermittelt werden kann.
Das nämlich gelingt Creed und seinem Chor, der wunderbar präzise abgefedert wird von zwei Pianisten an zwei historischen Pleyel-Klavieren, und das gelingt auch den Vokalsolisten, unter denen nur die Sopranistin Krassimira Stoyanova aufgrund ihrer ungebremsten stimmlichen Fülle und ihres Vibratos gelegentlich als Störfaktor auf das harmonische Gefüge einwirkt.

Susanne Benda, 26.04.2001



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