Von der Wahl des Instrumentariums her ist Rossinis "Petite Messe Solennelle" für u. a. zwei Klaviere und Harmonium sicherlich interessanter. Von der geistigen und dramatischen Durchdringung bleibt jedoch das zwischen 1832 und 1841 komponierte Stabat Mater sein Meisterstück in der Auseinandersetzung mit geistlicher Musik. Zumal Rossini hierbei nichts von seiner Opernproduktion mit herüberretten wollte, das er kurz zuvor endgültig abgeschlossen hatte. In sich ruhende A-Cappella-Sätze für Chor und Solisten, innige Duette, leidenschaftliche Melodiebögen und eine große vierstimmige Doppelfuge als mitreißender Höhepunkt sind die Mittel, mit denen Rossini hier romantischen Ausdrucksreichtum mit theatralischen Effekten verbindet.
Riccardo Chailly verdoppelt nun die Farbenglut und die erschütternden Kräfte, als hätte er Verdis Requiem im Hinterkopf gehabt. Die Lyrismen werden mit ständig dunklen Strichen bis an den Rand des Dämonischen ausgemalt, ist das Finale eher hoch gepeitschtes Pathos, das für gespannte und rhythmische Prägnanz kaum Platz lässt. So tief Chailly in das Stabat Mater hineingehorcht hat, so kann ihm das Sänger-Ensemble nur bedingt folgen. Lediglich Tenor Giuseppe Sabbatini beherrscht jenen Italiantità-Ton und die notwendige virtuose Sicherheit, um die Fallhöhen zu verstärken. Ganz anders sieht es bei seinen Kollegen aus, die sich nicht entscheiden können, ob sie jetzt auf nuancensichere Textverständlichkeit und auf dynamische Abstufungen achten sollen oder auf Gefühlsintensität.

Guido Fischer, 14.06.2003



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