Der Star dieser DVD ist unzweifelhaft Vladimir Jurowski. Und das, obwohl er kaum zu sehen ist. Doch diese Aufzeichnung der 2005er "Cenerentola" vom Glyndebourne Opera Festival lebt ganz und gar vom mitreißenden Dirigat des jungen Russen. Der Chefdirigent der hochnoblen südenglischen Sommerfestspiele kreiert mit dem exzellent aufspielenden London Philharmonic Orchestra einen Rossini-Sound, wie man ihn sich beglückender nicht wünschen kann: rasant, messerscharf und dabei immer höchst elegant. Hier gibt es keinen Buffo-Leerlauf, hier ist noch das allerkleinste Detail mit Bedacht gemacht, hier erklingen vor allem die Koloraturen nicht als Stimmbandakrobatik, sondern als Ausdrucksfacetten. Diese geistreiche Sorgfalt findet sich auch in der Ausstattung der Produktion wieder: Moritz Junge (Kostüme), Hildegard Bechtler (Bühne) und Peter Mumford (Licht) schaffen veritable bespielbare Gemälde, in denen bis hin zur Anordnung der Flecken auf Cenerentolas Schürze alles mit untadeligem Geschmack und historischer Kennerschaft aufeinander abgestimmt ist. Dass Sir Peter Hall nicht versucht, als Regisseur noch interpretatorisch einen drauf zu setzten, ehrt den Grandseigneur des britischen Theaters. Alles wird allein von der Musik ausgelöst. Geradezu maßgeschneidert wirkt die Besetzung: Maxim Mironovs spaghetti-haarigem Prinzen mit lieblichem Jünglingstenor steht Ruxandra Donose als reife, kluge Cenerentola gegenüber, Luciano di Pasquale poltert als dummdreister Vater über die Bühne, während die Schwestern (Raquela Sheeran und Lucia Cirillo) einmal nicht in ihrer Heiratssehnsucht denunziert werden und dadurch fast einen tragischen Touch bekommen.

Frederik Hanssen, 23.06.2006



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