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Georg Philipp Telemann

Orpheus

Roman Trekel, Ruth Ziesak u.a., RIAS Kammerchor, Akademie für Alte Musik Berlin, René Jacobs

Harmonia Mundi France/Helikon HMC 2 CDs 901618.19
(159 Min., 10/1996) 2 CDs

Bei Georg Philipp Telemanns Opernfassung des Orpheus-Mythos kann man sich gleich in zweifacher Weise wundern: erstens darüber, dass hier das Schicksal durch eine Nebenbuhlerin Eurydikes, Orasia, ersetzt wird (was der Geschichte zu zwei zusätzlichen Leichen verhilft) - und zweitens über die Tatsache, dass das Libretto zu "Orpheus oder Die wunderbare Beständigkeit der Liebe" gleich dreisprachig (also wechselweise deutsch, italienisch und französisch) daherkommt. Doch auch die Musik ist für einige Überraschungen gut.
Zwar zündet Telemann auch hier keine normverletzenden Sprengsätze, doch was er mit dem vorgefundenen Material anstellt, ist von mitreißender Lebendigkeit und großem Abwechslungsreichtum. So stehen farbig instrumentierte französische Chöre mit typischer Tanzgestik neben italienischem Arien-Furor und deutscher Singspiel-Attitüde. Die Akademie für Alte Musik geht unter René Jacobs' Leitung das Orchester-Fundament des Stücks betont behutsam an, lädt die über weite Strecken hinweg eher lyrische denn dramatische Partitur nicht mit zusätzlicher Emphase auf und gelangt trotzdem in so bildkräftigen Situationen wie Orpheus' Abstieg in die Unterwelt zu prallen klanglichen Gesten.
Unter den Sängern dieser Ersteinspielung ragen neben der eindrucksvoll leidenden und liebenden Orasia Dorothea Röschmanns vor allem Ruth Ziesak als fein und leichtfüßig gestaltende Eurydike, Maria Cristina Kiehr als Ismene sowie der beißend scharf artikulierende Hanno Müller-Brachmann als Pluto heraus. Der RIAS-Kammerchor beweist zumal bei den intonatorisch lupenreinen Nymphenchören aufs neue überragende Qualität. Allein der Sänger der Titelrolle, Roman Trekel, bleibt eher blässlich. Wobei seine Aufgabe undankbarer kaum sein könnte: Einer langweiligeren Figur als Telemanns mythischem Sänger, der sich passenderweise mit der Arie "Einsamkeit ist mein Vergnügen" einführt, begegnet man auf der Opernbühne (zum Glück!) nur selten.

Susanne Benda, 28.02.1998



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