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Georg Philipp Telemann

Konzerte für Streicher

Reinhard Goebel, Florian Deuter, Musica Antiqua Köln

Archiv Produktion/Universal 0 28946 30742 7
(65 Min., 10/1999) 1 CD

Haben Sie sich schon jemals durch einen Artikel gequält, der den Gitarrenpop ernst blickender postadoleszenter Pagenkopf-Träger in die diskursive Befindlichkeit des Posthistoire einordnet - oder so? 'U-Musik', so hat man den Pop ja früher genannt, ist bekanntlich inzwischen zur höchst ernsten Angelegenheit geworden, viel ernster als vieles in der so genannten E-Musik. Telemann ist auch Pop.
Die hier eingespielten Streicherkonzerte, vor allem die beiden einleitenden Concerti auf polnische Art sind eine höchst unernste, nachgerade unterhaltende Angelegenheit. Als solche werden sie von Reinhard Goebel im Beiheft äußerst seriös seziert: "Was Bach berührte, verwandelte sich augenblicklich in eine Marmorskulptur, deren einzelne Locken und andere vermeintliche Nebensachen historische Konnotation und immer auch eigene Legitimation vermitteln. Telemann dagegen war der Meister des Augenblicks - des damaligen Heute."
Goebels Schreibstil versetzt den Leser ebenfalls in skulpturale Schreckensstarre, lässt dessen Haarpracht ohne Legitimation und Konnotation, einfach nur so, zu Berge stehen. Das wäre nicht weiter schlimm. Aber auch seine musikalischen Interpretationen trauen Telemann nicht so recht über den Weg. Pop muss Spaß machen, zuallererst denen, die ihn spielen. Eine Freude, die man nur entwickelt, wenn die Musik von Herzen kommt. Sonst spielt man, wie man im Rock 'n' Roll sagen würde, "bloß für Geld".

Stefan Heßbrüggen, 22.06.2000



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