Hermann Max kümmert sich mit seiner Rheinischen Kantorei seit einigen Jahren um die Vokalmusik Georg Philipp Telemanns, und er leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einer angemessenen Telemann-Rezeption über jene Hand voll Standardwerke hinaus, zu denen etwa die "Tafelmusik" und allenfalls die Passionen gehören.
Die CD enthält den Mitschnitt eines Konzertes vom September 1997 mit der groß dimensionierten "Serenata Eroica"; es handelt sich dabei um die 1733 entstandene Trauermusik für August den Starken. Abgesehen von der für Live-Aufnahmen typischen Geräuschkulisse und einigen zwangsläufig unkorrigiert gebliebenen Ungenauigkeiten erklingt eine hörenswerte Einspielung auf insgesamt hohem interpretatorischen Niveau.
Unter den Solisten sind die (damals noch) gut disponierte Sopranistin Barbara Schlick, der koloraturbegabte Tenor Andreas Post und der mit gewohntem Standvermögen und Engagement agierende Bassist Klaus Mertens besonders hervorzuheben. Sie und drei weitere Sänger verkörpern allegorische Figuren wie "Sachsen", "Zeit", "Tapferkeit" oder "Weisheit", die in ihren Rezitativen und Arien die Aufgabe haben, die überragenden Qualitäten des verblichenen Herrschers zu preisen und die Verzweiflung über sein Dahinscheiden zu beteuern. Somit ist der Text des Werkes natürlich ein überaus vergängliches Opus.
Interessant und beeindruckend ist jedoch die Vielfalt des musikalisch-rhetorischen Vokabulars, mit dem Telemann die Worte in Töne setzt. Er arbeitet dabei auf der selben Basis barocker Figurenlehre wie sein Zeitgenosse Johann Sebastian Bach, und doch klingt das Ergebnis ganz anders. Es sind die Erfahrungen mit der Gattung Oper, die Telemanns Musik einen weltzugewandteren Grundduktus verleihen. Telemanns gewaltiges Gesamtwerk beruht in weit geringerem Maße auf oberflächlicher Massenproduktion, als ihm oft unterstellt wurde.

Michael Wersin, 18.04.2002



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