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Georg Philipp Telemann

Fantasien für Violine solo

Rachel Podger

Channel Classics/Harmonia Mundi CCS 18298
(75 Min., 11/2001) 1 CD

Sie, Musikjournalistin, und er, Musikjournalist, streiten sich mit Vorliebe über Telemann. Wobei sie selbstredend Recht hat: denn sie hält den barocken Hamburger für groß nur in der Ökonomie und Kunstfertigkeit, die er beim kompositorischen Blow-Up von Ideen an den Tag legt; sie bewundert Telemanns eminentes kompositionstechnisches Niveau und seine enorme Produktivität, würde ihm Originalität oder gar Genialität hingegen niemals zugestehen.
Nun ist es leider so, dass Telemanns Fantasien für Violine solo nicht nur ihr, sondern auch ihrem Gegenspieler Recht geben. Denn die Ausdrucks-Charaktere, die in diesen Stücken auf engstem Raum mehr gegen- denn nebeneinander stehen, leben nicht nur von der Wirkung, die effektvoll platzierte Kontraste notwendig hervorrufen, sondern zehren durchaus auch von sehr persönlichen und sehr tiefen Gedanken.
Dabei mag es hier eine Rolle spielen, dass Rachel Podger, seit fünf Jahren Konzertmeisterin von Trevor Pinnock Orchesters The English Concert, die Barockvioline so sinnlich, so blut- und so glutvoll spielt, wie man es sonst bei diesem Instrument nicht unbedingt gewohnt ist. Podger investiert viel Gefühl, und das brauchen diese Solowerke, um ihre Zuhörer zu berühren. Natürlich bedürfen sie auch einer Interpretation, welche die komplexen mehrstimmigen Wirkungen der Musik erfasst und herausarbeitet. Aber den spieltechnischen Aspekt erledigt Rachel Podger hier scheinbar ganz nebenbei. Nicht einmal sie, Musikjournalistin, und er, Musikjournalist, können sich darüber streiten.

Susanne Benda, 08.08.2002



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