Responsive image

Beauty Secrets

Kenny Werner

RCA/BMG 74321 69904 2
(72 Min., 4/1999) 1 CD

„Ich bin ein spontaner Musiker, der weder einen Stil hat noch rigoros ein Programm durchzieht“, hat Kenny Werner einmal gesagt. Danken wir ihm für seine Offenheit! Denn ein in seiner Vielseitigkeit entzückendes Album hat uns da der Philosoph des Jazz-Klaviers geschenkt! Zunächst werden atmosphärisch dicht vier Titel im Trio mit dem New Yorker Bass-Newcomer Drew Grass und dem „unfehlbaren“ Drummer Billy Hart ausgelotet, die Werner erneut als einen der hörenswertesten Pianisten des evansschen Traditionsstranges ausweisen. Dann fächert sich das Album zu einem Mosaik auf, dessen bunte Steine ein vielschichtiges Porträt Werners ergeben.
Versunkene Zwiesprachen mit Joe Lovano (der Höhepunkt des Albums) stehen neben einem risikofreudigem Quintett mit den kaum bekannten Post-Boppern Tony Malaby (ts), Dave Ballou (tp), Johannes Weidenmüller (b) und Ari Hoenig (dr). Feinsinnig-ätherischer Gedankenaustausch mit dem Geiger Mark Feldman wechselt mit einer tief gefühlten Vokaleinlage Betty Buckleys. Dann nehmen die Geigen zu. Ein Stück, das Werner unter der Dusche „zufiel“ und das ihm selbst zu schlicht, nicht hip genug vorkam, erscheint als Kammermusik, die als Soundtrack zu einem romantischen Film sicher ein Kassenschlager wäre. Zuletzt erleben wir Werner als Rezitator eigener Poesie.
Dieser Kenny Werner ist ein Künstler mit einer Spannweite von tristanoider Strenge zu evansscher Lyrik, von bleyscher Intellektualität bis zum fast kitschigen Wohllaut. „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“, meint schon der Theaterdirektor in Goethes „Faust“. Stimmt nicht immer, aber bei Kenny Werner auf jeden Fall.

Marcus A. Woelfle, 31.12.1999



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Nun gibt es sie also, die erste offizielle Barock-CD (oder sogar generell?!) zur Coronakrise. Zumindest für das Coverfoto posiert die Lautten Compagney Berlin im Mundschutz, den man bei den Proben freilich auch in enger Kreisaufstellung nicht trug, wie die übrigen Fotos belegen. Hier soll der Bezug zur Krise die schon früher geborene Idee eines Bach-Albums brachial aktualisieren, wobei Bachs Musik durch diese Verengung auf COVID-19 nicht unbedingt gewinnt, so fundamental ist seine […] mehr »


Top