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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Karl Amadeus Hartmann

Simplicius Simplicissimus

Claudia Mahnke, Frank van Aken u.a., Chor der Staatsoper Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart, Kwamé Ryan

Arthaus Musik/Naxos 101 255
(85 Min., 00/2005) 1 DVD

In den 60er Jahren viel gespielt, hat sich Karl Amadeus Hartmanns 1934/35 geschriebene Grimmelshausen-Oper "Simplicius Simplicissimus" dennoch keinen Stammplatz im Repertoire erobern können. Allzu quer steht das in der inneren Emigration geschriebene Stück mit seinem depressiven Weltenresümee zu den Erwartungen an einen kulinarischen Opernabend, zu spröde gibt sich letztlich auch die Musik, die sich mit ihrem experssionistisch angeschliffenen Pseudo-Mittelalter-Tonfall den großen Schlüsselreizen von theatralischen Effekten und emotional ergreifenden Melodien größtenteils verweigert. Christoph Nels Produktion an der Stuttgarter Oper tut freilich wenig, um das strenge Werk zugänglicher zu machen. Nel, der Grübelmeister unter Deutschlands Regisseuren, verweigert der Szene alles Farbig-Bilderbogenhafte und reduziert die Bühne auf einen halboffenen, grauen Raum, in dem sich die Darsteller im üblichen Humana-Retrolook bedeutungsschwanger gruppieren: Ein schweres Holzkreuz muss reichen, um den Einsiedler im zweiten Akt zu charakterisieren, mehr als zwei Uniformjacken dürfen es auch für den Hof des Gouverneurs nicht sein. Optisches Schwarzbrot mithin, zu dem die von Kwamé Ryan recht energisch dirigierte kantige Kammerversion freilich gut passt. Nur Claudia Mahnke als innig-schlicht empfindender Simplicius erinnert daran, dass es im Leben auch noch Schönheit gibt. Und dafür ist man ihr dankbar.

Jörg Königsdorf, 01.12.1999



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