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Johann Sebastian Bach

Die Kunst der Fuge

Emerson String Quartet

DG/Universal 474 495-2
(80 Min., 02/2003) 1 CD

Der abrupte Abbruch mitten im Contrapunctus vierzehn, einer Quadrupelfuge, holt einen wieder auf den Boden zurück, denn das Lehrwerk der kontrapunktischen Komposition blieb nach einem Jahrzehnt Beschäftigung unvollendet. Auch für den Zuhörer ist es so, wie es Eugene Drucker, der den Part der 2. Violine hier spielt, in einem Interview beschrieb: "Die 'Kunst der Fuge' zu spielen ist so, als erhebe man sich von der Erde in eine höhere Sphäre".
In insgesamt dreizehn vollständigen Contrapuncti und fünf Kanons in steigender Komplexität und abgeleitet von einem Thema plus einem angehängten Choral zeigt sich Bach nicht nur als Meister der Fugenkomposition, sondern hat über das Lehrwerk hinaus selbstständige, in sich abgeschlossene Sätze für drei oder vier Stimmen geschrieben.
Das Emerson String Quartet hat sich der Herausforderung gestellt, sämtliche Teile zyklisch einzuspielen, und alles auf einer prallgefüllten CD untergebracht. Dem amerikanischen Ensemble gelingt der Spagat, zum einen die Komplexität des Lehrwerks plastisch und transparent darzustellen, und das auf einem atemberaubend hohen technischen Niveau mit gezielter Akzentuierung und klanglicher Differenzierung. Zum anderen verstehen sie es, neben der Struktur die musikalische Qualität, den melodischen Bogen nie abreißen zu lassen, den Verlauf organisch, jeden neuen Themeneinsatz als selbstverständlich darzustellen, die Konzentration beim Zuhörer bis zum Ende zu bannen. Die hörbare Spielfreude, sparsam eingesetztes Vibrato und zügige Tempi unterstützen das ebenso wie das nicht zu trockene und doch durchsichtige Klangbild.

Peter Overbeck, 01.01.1970



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