home

N° 1282
03. - 09.12.2022

nächste Aktualisierung
am 10.12.2022



Responsive image

Bill Plays Bud

Bill Cunliffe

Naxos 86024-2
(61 Min., 10/1996) 1 CD

Jazzpianisten, die sich ein Album lang vor Bud Powell verbeugen, sind in etwa so sehr zu beneiden, wie Autoren, die ihren Roman Thomas Mann, oder Regisseure, die ihren Thriller partout Hitchcock widmen wollen - überhaupt nicht. Man wird ihnen besonders kritisch auf die Finger schauen. Wer sich dem aussetzt, braucht kein Masochist zu sein, vermutlich ist er schon glücklich, damit überhaupt den Blick auf sich zu lenken.
Der Pianist Bill Cunliffe ist hierzulande und vermutlich auch in seiner amerikanischen Heimat ein eher unbeschriebenes Blatt. Dabei ist der Schüler von Mary Lou Williams, wie diese Aufnahmen mit dem Tenoristen Ralph Moore und einer soliden Rhythmusgruppe zeigen, ein fingerfertiger, stilistisch wendiger Tastenswinger eines traditionellen Hauptstroms, wie er etwa von Benny Green idealtypisch repräsentiert wird: Man fühlt sich bei Oscar daheim und zeigt gelegentlich, daß man noch Fats und schon McCoy draufhat.
Ohne Angst vor den großen Schuhen und mit blitzsauberer, Powell keineswegs sonderlich verpflichteter Pianistik nähert sich Cunliffe dem Powellschen Repertoire. Da ist nichts von den ausgeloteten Tiefenschichten, vom existentiellen Drang, mit dem Powell - das Paradebeispiel von “Genie und Wahnsinn” im Jazz - wie um sein Leben spielte. Das kann von Cunliffe gerechterweise auch nicht gefordert werden. Dafür ist er vermutlich seelisch gesund; wir gratulieren ihm hierzu, zu seiner guten Laune und der leisen Ironie, mit der er etwa “Hallucinations” mit altmodischem Stride-Touch versieht oder Monks “52nd Street Theme” durch den Kakao zieht.

Marcus A. Woelfle, 31.12.1998



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Wohl kaum ein Künstler hat so viel für die Entwicklung und Erneuerung des argentinischen Tangos getan wie der argentinische Komponist und Bandoneon-Virtuose Astor Piazzolla. 2021 hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert, aus diesem Anlass spielte der junge dänische Akkordeonist Bjarke Mogensen in jenem Jahr ein Album mit den wichtigsten Werken des Tango-Nuevo-Königs ein. Als musikalische Partner für dieses Projekt wählte er seinen Landsmann Mathias Heise, der zu den führenden […] mehr


Abo

Top