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Robert Schumann

Klavierkonzert, Sinfonie Nr. 2

Andreas Staier, Orchestre des Champs-Élysées, Philippe Herreweghe

HMF/Helikon HMC 901555
(68 Min.) 1 CD

Dass ausgerechnet eine Neueinspielung des Schumann-Konzertes aufhorchen, ja staunen lässt, ist schon fast ein Wunder. Andreas Staier, Philippe Herreweghe und das Orchestre des Champs Élysées bieten das vertraute Konzert in einem dunkel-glühenden Klangbild, das selbst a-Moll-Überdrüssige hinreißen wird. Auch das Fortepiano von 1850 hat seinen Anteil daran. Wer musealen Originalklang nicht schrankenlos goutiert, wird keinen Schrecken bekommen — ein wenig gedämpfter und samtiger die Mitte, etwas Mehltau überm Diskant.
Mit dieser Stimme rezitiert man eher Gedichte als Dramen. Wenn Andreas Staier den Lyrismen des Kopfsatzes nachhorcht, ist er der versonnenste Klavierpoet seit langem. Auch der Mittelsatz überrascht. Der Intermezzo-Gang ist flott und schlendernd zugleich — ein Widerspruch mit dramaturgischem Pfiff. Ein Satzgebilde, so wattig hingetupft und biegsam, erzeugt keinen Sog zum Finaljubel. Und der fällt aus. Die Interpreten verbinden die Sätze auf einem Seitenpfad: Nicht von träumerischer Versenkung zum dieseitigen Strahlen führt der Weg, sondern vom luftig Improvisierten zu einer eigenartig überschatteten Statik, die jedes A-Dur-Kraftmeiern fragwürdig scheinen lässt.
Hier auch knüpft Herreweghe mit seiner Sicht auf Schumanns schwierige Zweite Sinfonie an. Er erklärt die Sprödigkeit des Werkes, indem er den statischen Charakter ihrer motivischen Entwicklungen bohrend herausstellt. Schon der brütende Stillstand der Introduktion und die schneidenden Bläserrepetitionen im Kopfsatz beunruhigen. Überall durchscheinende Ostinati lassen den melodischen Atem stocken. Diese Neubefragung des Altbekannten ist ein meisterlicher interpretatorischer Wurf.

Matthias Kornemann, 31.05.1996



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