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Robert Schumann

Klavierkonzert, Carnaval op. 9

Myra Hess

Naxos 6 36943 16042 8
(62 Min., 11/1937, 3/1938, 4/1938) 1 CD

Für die Briten war Dame Myra Hess eine kühne Heilige. Auch deutsche Bomber hielten sie nicht von ihren berühmten Mittagskonzerten ab. Doch als Musikerin diente sie dem zaghaften, traumverlorenen Eusebius, da lag ihr der feurige, kühne Schumann des Florestan, die Stimmung überschwänglichen Rausches nicht.
Das Orchester, das sie 1937 im a-Moll-Konzert begleitete, ist laut Beiheft nicht identifizierbar; da hat es Glück, denn für all das Gewackel, das grelle Streichersäbeln und Holzgequäke würde man es noch heute zur Rechenschaft ziehen müssen. Das Mikrofon stand aber vernünftigerweise fast unterm Klavier, um ein Spiel einzufangen, das der bekannten Hess-Aufnahme von 1952 mindestens ebenbürtig ist.
Myra Hess beschreitet den stillen, empfindsam zurückgenommenen Weg nicht nur mit wunderbar ins Leise abgestuften, singenden Ton, sondern einer überaus konsequenten Phrasierung. Viele Empfindsamkeitsartisten, zuletzt Frau Pires (siehe Rezension), vergessen, dass man schon gründlich lesen sollte, wenn man poetisch sein will. In der überaus klar und fesselnd gespielten Durchführung hören wir, wie vielschichtig-dichterisches Wesen erarbeitet wird. Sogar das Orchester wird aufmerksamer, als erliege es dem As-Dur-Zauber des Andante-espressivo-Beginns.
Doch keine Poesie-Zone, keine konfliktlose Idylle tut sich hier wie sehr oft auf - nein, Myra Hess fängt unter ihren wunderbar spannkräftigen Bögen das unterschwellige Gleiten der metrischen Ordnung ein, das dann in der Passionato-Episode zum beunruhigenden Ausdruckswert wächst. Endlich einmal auch ein wirklich befriedigender Intermezzo-Beginn. Myra Hess gelingt es, dem fast banalen Material die leichtgewichtige Vorläufigkeit des Frischskizzierten zu erhalten. Das ist ihre Kunst.
Wer würde danach Leidenschaftstrubel im "Carnaval" erwarten? Wir haben längst Geduld, ihr in die lyrischeren Episoden zu folgen.

Matthias Kornemann, 25.01.2001



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