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Robert Schumann, Ludwig van Beethoven u.a.

Fantasie C-Dur, Klaviersonate Nr. 23 op. 57 u.a.

Walter Gieseking

Music & Arts/Note 1 17685 10742 9
(104 Min., 1947 - 1952) 2 CDs

Bei aller Freude über den warmen Regen historischer Klavieraufnahmen, mit dem uns das amerikanische Music & Arts beglückt, sei eine skeptische Anmerkung erlaubt. Auf dem Cover dieser CDs liest man von "Unissued broadcasts", was aber nur bedeutet, dass diese Produktionen des Hessischen Rundfunks damals nicht für die Plattenindustrie bestimmt waren. Veröffentlicht wurden sie alle längst, verstreut auf verschiedenste Gieseking-Retrospektiven. Das mindert nicht den interpretatorischen Wert, nur sollte der Sammler nicht erwarten, hier auf sagenhafte Raritäten zu stoßen, die in keiner der bekannten Diskografien aufgeführt sind und lieber erst einmal seine CDs durchsehen, bevor er Geld für Doubletten ausgibt.
Den ersten Satz von Schumanns C-Dur-Fantasie op. 17 spielt Giesking unnachahmlich. Er beginnt auch hier mit seiner manchmal etwas unkontrollierten "Anfangswildheit", die ihm schon so manchen Fehlgriff einbrachte. Doch wie er dann diesem so drängenden wie instabilen Thema bald die Schwungkraft nimmt, wie er es in ein unerhört intimes Pianissimo-Zwielicht führt, zählt, ebenso wie der ergreifend schlichte Epilog zum Balladen-Mittelteil, zu Gieskings größten Augenblicken.
In der Coda des "Mäßig" überschriebenen Scherzo-Mittelsatzes offenbart sich indes auch ein Problem mancher dieser genial wie ungeübt hingeschleuderten Rundfunkaufnahmen. Gieseking steigert sich da in Ausbrüche, vertrauend auf eine grenzenlose manuelle Beweglichkeit, die ihn dann bei den schweren Sprüngen völlig im Stich lässt. Diese erschreckenden Endrasereien finden sich auch in der dritten Chopin-Ballade und einem aberwitzig heruntergefetzten "Appassionata"-Finale.
Meine Liebe zu Walter Gieseking gefährdet das nicht, aber der Neuentdecker sei vorgewarnt. Er begegnet hier nicht nur dem ebenmäßigsten Nonlegato, dem plastischsten Pianissimo aller Pianisten, der vollkommenen Pedaltechnik, sondern auch einem erstaunlichen Maß an Impulsivität und Unmäßigkeit. Vielleicht machte Gieseking gerade diese Mischung zu seinem so großen Schumann-Interpreten.

Matthias Kornemann, 26.07.2001



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