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Johann Sebastian Bach, Dmitri Schostakowitsch

Präludien und Fugen Vol. 2

Olli Mustonen

Ondine/Note 1 1033-2
(105 Min., 11/2002) 2 CDs

Was sehen Sie, wenn Sie einen Blick aus Ihrem Fenster werfen? Auf irgendetwas fällt ihr Blick, aber sie sehen viel, viel mehr. Sie sehen etwas im Kontext unzähliger Dinge, unscharfe oder scharfe Konturen am Rand, Vorder- und Hintergrund, alles beleuchtet von einem bestimmten Licht, von der Seite vielleicht ein Sonnenstrahl, ein Schatten. Je intensiver man hinsieht, um so mehr entdeckt man und verändert die Perspektiven. Olli Mustonen sieht in Bachs Präludien und Fugen nicht nur herrliche architektonische Bauwerke, er sieht ihre detaillierte Gestaltung, sieht manches ganz nah und anderes als atmosphärische Umgebung. Seine Linien sind mal klar, mal verwischt, mal zurückgenommen, mal vordergründig mit großer Geste sicher hingeworfen. Die Faszination liegt in der eigenartigen Mischung von Ansprache des Intellekts und der Ästhetik, dem Sinn für Schönheit, der aus der Klarheit ihrer Prinzipien erwächst.
Schostakowitschs Präludien und Fugen sind intime kleine Aphorismen über die Musik. Sie klingen verspielt, romantisch, zart, gehen immer wieder von scheinbar banalen Melodien aus und kehren sich nach innen. Manchmal verlieren sie sich in glockenspielartigen Passagen, dann wieder suchen sie die Nähe zu Bach in Klarheit und Struktur.
Faszinierend der Gebrauch des Pedals, es wird zur Klangfarbenmodulation eingesetzt. Mustonen analysiert, verliert aber nie die Anbindung an die geheimnisvolle Quelle, die alles zur Musik macht. Das konkrete Bild eines Klavier spielenden Künstlers verblasst in der Wahrnehmung, selten eine Handbewegung, die vom Hören ablenkt.

Margarete Zander, 27.03.2004



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