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Georg Philipp Telemann, Johann Mattheson, Francesco Bartolomeo Conti

"Don Quichotte in Hamburg" - Ouvertüren

Elbipolis Barockorchester Hamburg

Raumklang/harmonia mundi RK 2502
(64 Min., 5/2005) 1 CD

"Don Quichotte in Hamburg"? Kein schlechter Titel für eine CD aus dem Umfeld der Hamburger Barockoper. Im Grunde war schon der Versuch, unter den wachsamen Augen der gestrengen protestantischen Geistlichkeit an der Elbe ein stehendes Opernhaus einzurichten, eine grandiose Donquichotterie. Zumal man dabei auch noch gleichzeitig um den Beifall von literarisch gebildeten Intellektuellen, stolzen Bürgern, eitlen Adligen und frechem Parterre ringen musste. Damit das ein paar Jahrzehnte gut gehen konnte, brauchte es Sujets, die man vor- und zurückgelehnt genießen, über die man philosophieren oder sich vor Lachen ausschütten konnte. Wie eben die Geschichte vom Don Quichotte, der damit ein sehr typischer hanseatischer Opernheld ist.
      Und ein würdiger Pate für das temperamentvolle, farbenreiche CD-Debüt des "Elbipolis Barockorchester". Mit Entdeckerlust, Theaterblut und gehörigem Sinn für Slapstick bricht das Ensemble eine Lanze für ein Repertoire, aus dem die Handelsstadt bisher erstaunlich wenig Kapital geschlagen hat. Der Mann aus la Mancha wird mit einer Suite aus der in Hamburg gern gesehenen Don-Quichotte-Oper von Francesco Bartolomeo Conti geehrt, die mit ihrem Reichtum an possierlichen musikalischen Gesten die bedeutendste Entdeckung der Scheibe ist. Wertvoll auch die Suite aus der erst vor kurzem wieder entdeckten Oper "Die geheimen Begebenheiten Henrico IV. Königs von Castilien" von Johann Mattheson, wobei man die Warnung des komponierenden Erzkritikers an Continuospieler, "die platten Guitarren mit ihrem StrumpStrump den Spaniern beym Knoblauch-Schmauß zu überlassen" angesichts des spanischen Sujets geflissentlich überhört hat. Ganz kann dies allerdings nicht davon ablenken, dass bei den seriöseren Nummern die nur einfache Streicherbesetzung ein wenig zu schmal wirkt. Die damit gewonnene Beweglichkeit des Ensembles macht sich dagegen um so besser bei der bekannten bildhaften Don-Quichotte-Konzertsuite des opernerfahrenen Wahlhamburgers Telemann, wobei sich beim plastisch dargestellten Prellen des Sancho Pansa unvermutet Verwandtschaften zwischen barockem Humor und der Komik von Tom-und-Jerry-Filme auftun.

Carsten Niemann, 08.04.2006



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