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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Peter Iljitsch Tschaikowski

Sinfonie Nr. 6, Dornröschen-Suite

Russische Philharmoniker, Samuel Friedmann

Arte Nova/BMG 74321 56344 2
(67 Min., 10/1997) 1 CD

Bei Niedrigpreis-CDs fragt sich der Kritiker oft, wie das alles zustande kam: Das Orchester? Nie gehört. Der Dirigent? Könnte auch Donald Duck sein. Die Werke? Mitunter ebenfalls reichlich apokryph.
In diesem Fall allerdings gibt es zwei der bekanntesten von Tschaikowski - und wenn ich zuvor weder von den Russischen Philharmonikern etwas hörte noch von dem Dirigenten Samuel Friedmann, dann werde ich sie jetzt so schnell nicht wieder vergessen, denn sie sind gut, gut, gut! (... und nicht selten hervorragend.) Jedenfalls ist gerade die Sinfonie als Hochpreisware kaum besser erhältlich, was Detailarbeit, Vitalität und auch - im qualvollen Schlusssatz - Schmerz angeht, Schmerz ohne Sentimentalität.
Samuel Friedmann, der Dirigent, steht in der großen Tradition russischer Dirigenten wie Mrawinsky oder Swetlanow, auch wenn er Tschaikowskis letzte und größte Sinfonie im ganzen emotionaler, teilweise langsamer, aber auch expressiver dirigiert als die Genannten. Im Grunde tritt er wieder einen Schritt zurück in die Labyrinthe der Seele (und nicht etwa der klischierten “russischän Säälä”), nachdem Mrawinsky und auch Swetlanow Tschaikowskis Sinfonien radikal “ernüchterten”.
Friedmann macht nicht nur intelligente, sondern auch verletzte Ausdrucksmusik. Sogar wer, wie ich, schon vier außergewöhnliche Aufnahmen der “Pathétique” besitzt, darf sich diese fünfte ruhig auch noch wünschen. Und jetzt kommt die Zugabe: Bei der fünfteiligen “Dornröschen”-Suite erweisen Friedmann und seine Mannen sich als Chefelektriker eines gleißend-ballettösen Lichterglanzes. Hier erstrahlt eine ganz andere Welt als in dem Abschiedswerk, aber sie überzeugt ebenso. Zwei Seelen - eine CD. In der Sprache der Kaufleute: Das Preis-Leistungs-Verhältnis könnte nicht imponierender sein!

Thomas Rübenacker, 31.03.1998



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